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Freue mich sehr an dieser Stelle bekanntzugeben, daß ich meinen ersten Artikel bei Suite101.de veröffentlicht habe. Der Titel lautet Englisch-Wörterbücher online – LEO, Dict.cc, Linguee & Co.

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In Erinnerung an Walter Scherf: Ein Treffen in München

Mit großem Bedauern habe ich vom Tod Dr. Walter Scherfs erfahren. Neunzig Jahre ist er geworden, der bekannte Kinder- und Jugendliteratur- sowie Märchenforscher, der sich in der Bündischen Jugend einen unvergeßlichen Platz nicht nur aufgrund seiner eindrucksvollen Lieder verdient hat, sondern weil er mit ganzem Herzen Mensch war. Ich hatte vor über fünf Jahren die große Ehre ein Gespräch mit ihm zu führen, daß ich in Erinnerung an Walter Scherf unverändert und unkorrigiert publiziere. Der Hinweis sei noch erlaubt, daß mein persönlicher Bezug natürlich Scherfs bezaubernde Erstübersetzung des Hobbit von J.R.R. Tolkien ist – und die Tatsache, daß ich früher selbst Pfadfinder war. Dr. Walter Scherf verstarb am 25. Oktober 2010.

Ein Besuch bei Walter Scherf

Als ich im Haus Lindschmitdstraße 25 klingele, wird mir schnell aufgemacht. In der Tür steht Walter Scherf, Übersetzer des „Kleinen Hobbits“ und seine Frau gleich mit dabei. Ich werde freundlich hereingebeten, Scherf wirkt gutgelaunt und erfreut ob des erwarteten Besuchs. Vor knapp zwei Wochen ist er fünfundachtzig geworden, er gehört also zu denjenigen Forschern, die ihre Festschrift noch erleben und selbst entgegennehmen können. Zwar erinnert er sich nicht sofort daran, wer ihm diese Festschrift organisiert hat, aber als seine Frau meint: „Das waren doch die Helge Gerndt und die Kristin“, da blitzt ein schelmenhaftes Lächeln auf: „Ach ja, Kristin, natürlich. Wie schön.“

An einem runden gemütlichen Tisch nehmen wir alle Platz, Walter Scherf holt vier verschiedene Ausgaben des Kleinen Hobbit, von der Erstausgabe mit den Illustrationen Horus Engels bis hin zur dtv-Neuauflage mit Tolkiens eigener Zeichnung von Hobbingen. Sein Märchenlexikon findet im Laufe des Gesprächs auch den Weg auf den Tisch, eine russische, wundervoll illustrierte Märchensammlung auch – bald ist der Tisch nicht nur von Wassergläsern bedeckt, sondern von einer ganzen Sammlung europäischer Traditionen.

Es ist eine Spurensuche, und die beginnt sehr spät. Eine der vielen Fragen ist, warum der Hobbit erst so spät in Deutschland übersetzt wurde, die Scherf sogleich zu beantworten beginnt. Es war kurz nach Krieg in der „Großen Jurte“ der Deutschen Jungenschaft des 1.11. im Wartgau, wo Horus Engels an einem Abend aus einem englischen Buch freihändig übersetzte und eine Geschichte erzählte – The Hobbit. Es wurde spät in der Nacht, das Lagerfeuer brannte und Scherf weiß nicht mehr genau, wann und aus welchem Anlaß sich Horus Engels an ihn wandte, aber die sonore, faszierende Stimme Engels sagte auf einmal: „Du bist mir der Rechte, Walter. Den Hobbit, den mußt Du übersetzen.“ Scherf wehrte sich, meinte sein Französisch sei wohl wesentlich besser als das Englische, aber Engels ließ sich nicht beirren. Scherf setzt dieses Ereignis 1947 an, aber seine Frau meinte, dies müßte um einiges später geschehen sein, zu Anfang, wenn nicht gar erst Mitte der Fünfziger (Scherf übersetzte den Hobbit 1956.)

Es war entschieden, und es war beschlossene Sache. Auf die Einwände Scherfs, daß dies doch wohl nicht einfach sei -man bedenke die schlichte Tatsache, daß die Briten wohl kaum begeistert von den Deutschen seien-, meinte Engels nur, die Einwände beiseite fegend, das ließe sich schon regeln. Und tatsächlich fuhr Scherf recht bald nach Großbritannien, in den Westen Englands, wo er sich mit dem Verleger Allen traf (von Allen & Unwyn, dem Verleger Tolkiens bis in die 1980er), den er schnell überzeugte, und der ihn an Sir Stanley Unwyn verwies, um alles weitere zu klären. Der erste Kontakt schien der wichtigste zu sein, denn er ebnete den Weg zu einer deutschen Übersetzung des Hobbit. Dies schreibt Scherf nicht zuletzt der Tatsache zu, daß er Katholik sei – und Allen war dies auch. Es war eine spontane Sympathie und diese wiederholte sich bei Sir Stanley, der Scherf sogar mit in den Club of London nahm (eine außergewöhnliche Ehre, nur Männern vorbehalten, wer mitgebracht wird, ist sofort Mitglied.) Scherf sollte später dann sogar Tolkien selbst treffen und auch hier scheint der religiöse Hintergrund ein gemeinschaftliches Verständnis gefördert zu haben, die der Übersetzung half.

Hinzu kam Scherfs persönlicher Hintergrund, der ihn als Mitglied einer Bündischen Jugend als politisch einwandfreien Deutschen auswies, keinen Mitläufer, der die NSDAP mit an die Macht brachte. Seine Jugend wurde aufgrund ihrer unabhängigen Haltung und des Widerstands gegen das Gleichschaltungsgesetz dann auch verboten. Seine bündische Zugehörigkeit hatte ihm auch im Krieg bzw. an dessen Ende geholfen: als er nach der Kapitulation in den Westen Deutschlands flüchtete, verkleidete er sich in der Kluft der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg und wurde auf seiner Flucht von einem amerikanischen Soldaten entdeckt und festgenommen. Als dieser allerdings das Pfadfinderhemd Scherfs sah, legte er seine Maschinenpistole nieder, nahm ihn in den Arm, begrüßte ihn mit dem Handschlag der Pfadfinder und meinte „I’m a scout, too.“ Nach einem kurzen Gespräch und einem „Don’t do it again, Walter!“ durfte Scherf weiterfliehen.

Da ich selbst jahrelang Mitglied der Pfadfinderschaft St. Georg war (DPSG) und Scherf dies natürlich erzählte, kam erneut das verschmitzte Lächeln des alten und lebenserfahrenen Mannes hervor: „Dann sind wir ja Bundesbrüder.“ Er reichte mir seine linke Hand, den kleinen Finger in der üblichen Weise abgespreizt und meinte nur: „Na, dann werden wir uns von jetzt ab wohl duzen. Ich bin Walter.“ Die ohnehin freundliche Atmosphäre des Gesprächs wurde nach diesem Ritual, das gerade in der älteren Generation Deutschlands noch von hoher Bedeutung ist, noch netter und der gesamte Rest des Gesprächs war eine bezaubernde Mischung aus Anekdoten und Diskussionen rund um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Struktur und Tradition der Märchen, wie die literarischen Gesellschaften in Deutschland in Zukunft zusammenarbeiten sollten und die Ergebnisse der Forschung Scherfs.

Auf die Frage, warum der Hobbit erst so spät übersetzt wurde, konnte Scherf auch keine abschließende Antwort erteilen, aber die detektivische Arbeit hat zumindest einige Impulse erhalten. Es war nicht nur ein Verlag, der Tolkien um die Rechte nach dem Hobbit gebeten hatte, sondern laut Aussage Scherfs mehrere. Was dies für die Bedeutung des Briefs Nr. 107 verändert, ist offensichtlich. Er meinte auch, daß ihm die Übersetzung des Herr der Ringe angeboten wurde, er aber diese ablehnte, weil sie einen Prinzipien zuwiederliefe.

Scherfs besondere Verdienste liegen sicherlich in der europäischen Märchenforschung, was das von ihm erstellte Märchenlexikon beeindruckend belegt. Für ihn ist die Tradition des Erzählens eine ganz besondere kulturelle Betätigung des Menschens, die in ihrer weltweiten Struktur einem auf folgende Dychothomien reduzierbare Konfliktpotential gleicht: Mutter-Sohn, Mutter-Tochter, Vater-Sohn, Vater-Tochter und im geringeren Maße das Gegenstück Bruder-Schwester, was aber nur ein Nebenschauplatz ist. Man merkt ihm an, da kommt der Dozent durch, der seine Vorlesung beginnt und seinen Studierenden im schnellen Überblick das Wichtigste vermitteln möchte. Aus dem gutgelaunten Gesicht blitzt hier kurz der nachdenkliche und gewissenhafte Forscher auf, der sich vielen Debatten rund um die Märchenforschung gestellt hat.

Der Herr der Ringe verläßt die Ebene des primären Erzählens, die der Hobbit noch so natürlich erreicht. Das Kinderbuch Tolkiens ist leichter erzähl- und vorlesbar, als es der Herr der Ringe ist, eine offensichtliche Beobachtung, die aber sicherlich in der schriftstellerischen Technik der Inhaltsvermittlung, der Charakterdarstellung und der beschriebenen Topoi zu finden ist. Scherf sah Tolkien hier in einem ganz anderen, klassisch-epischen Stil, der der von Tolkien so überzeugend vorgestellten Märchentheorie in On fairy-stories zuwiderläuft. So sehr dies natürlich Gegenstand einer lebhaften Diskussion sein könnte, so unterschiedlich sind dann auch Herr der Ringe und der Hobbit, daß Scherfs Argumentation aus seiner Perspektive logisch und konsequent erscheint. Der Titel Der kleine Hobbit und der große Zauberer erhält in einer biographischen Herangehensweise an seine Übersetzung eine ganz andere Sichtweise, denn der Titel ähnelt sicherlich mehr dem traditionell überlieferten Märchenstil, als es Der Hobbit zu zeigen vermag.

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dtv-Ausgabe des "Kleinen Hobbit" - Signiert von Walter Scherf

Die Erstausgabe, liebevoll von Horus Engels illustriert, ist dann auch eine weitere, kleine Anekdote wert, denn auf dem Titelbild sieht man Gandalf den Grauen und Bilbo, und obwohl die Darstellung des Zauberers nicht vom üblichen hohen, spitzen Hut und langen Bart abweicht, so fällt doch eine Kleinigkeit sofort im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge: Gandalf hat überdimensioniert buschige Augenbrauen – und wenn es einen Mann mit kräftigen, weit hervorstehenden, für ihn charakteristischen Augenbrauen gibt, dann ist es Walter Scherf. Frau Lehmann-Scherf lächelt, zeigt auf den Zauberer und stellt mir diese Frage, die Scherf mit einem leicht verlegenen Lächeln und einem anschließenden, lauten Lachen quittiert. Engels war es, der ihn zur Übersetzung zwang – und ihn dann auf dem Buch selbst verewigte.

Flyer der EMG und ein weiteres, kleines Heftchen mit Artikeln Scherfs wechseln den Besitzer und ich lasse mir meine dtv-Ausgabe des Hobbit von ihm signieren. Scherf scheint zuerst ein wenig peinlich berührt ob seiner Aufgabe, aber schon bald geht er mit einem „Da muß ich mir jetzt aber was überlegen“ in das Zimmer nebenan, um einige Minuten später mit einem kurzen Gedicht und einer Widmung wiederzukehren. Ein Händedrücken, „Gute Reise“ Wünsche und ein „Das war ein wirklich schönes Gespräch“ – und nach einer guten Stunde bin ich bereits wieder unterwegs, aber sicherlich um einige wunderbare Erinnerungen reicher. Ein großer Erzähler und einer, der sich auch wissenschaftlich dieser zu unrecht vernachlässigten Kunst genähert hat, hat mir eine gute Stunde einen Einblick in ein erlebnisreiches, faszinierendes Leben gegeben. Walter Scherf ist eine charismatische Persönlichkeit, und selbst mit 85 vermag er noch das zu erreichen, was andere Menschen nie in ihrem Leben schaffen: echten Charme, hohen Intellekt und die Fähigkeit, dem Gesprächspartner das Gefühl zu vermitteln, das es mehr gibt, als Bilder, Bücher und Filme zu vermitteln vermögen – es gibt auch noch das Erzählen.

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Über das Übersetzen: Susan Price. Elfking [Elfling: Das Heer der Toten]

Elfling. Das Heer der Toten. (c) Luebbe

Elfling. Das Heer der Toten. (c) Luebbe

Die beiden Romane Elfgift und Elfking erschienen 1995/1996. Die britische Autorin Susan Price wurde durch ihre Starckarm-Saga einem breiten Publikum bekannt und schreibt vor allem Kinder- und Jugendliteratur. Als ich die beiden Bände in der Hand hielt und für den zweiten den Übersetzungsauftrag erhalten hatte, ließen mich meine Recherchen ein wenig zweifeln, in welche Richtung die Geschichte geht – aber nach der Lektüre war ich mir sicher, daß dies eine gut lesbare Geschichte war, die ich mit Freuden übersetzen würde.

Der Eintrag im digitalen Katalog der British Library faßt dann auch recht schön, wenn vielleicht ein wenig kurz zusammen, was laut gestandener Bibliothekarskunst dem Buch zugrundeliegt:

Subject

Elves — Juvenile fiction.
Brothers — Juvenile fiction.
Imaginary wars and battles — Juvenile fiction.
Saxons — Juvenile fiction.
Danes — Juvenile fiction.

Genre/form

Fantasy fiction.
Children’s stories.

Ich frage mich zwar ernsthaft, ob bei der doch recht brachialen und oft geradezu schonungslos brutalen Geschichte das noch als children’s story durchgeht, aber dann möchte ich sicherlich der hochehrwürdigen British Library nicht widersprechen.

Worum geht es in der Geschichte? Elfling, der Elfengeborene, ist ein königlicher Bastard, der aus einer Liaison mit einer Walküre (oder vielleicht mehr?) entstanden ist und auf einem Bauernhof auf dem Land lebt. Als der König stirbt und ihn zu seinem Nachfolger ernennt, sinnen seine Brüder auf seinen Tod, doch er ist stärker und schneller als die anderen – und von den Göttern geliebt. Von den alten Göttern, wohlgemerkt, denn die Sachsen sind Christen, und die Dänen sind wie Elfling noch Heiden in einem England, das zwischen diesen beiden Glaubensrichtungen noch nicht zu entscheiden vermag.

Nichts kann dem Siegeszug Elflings widerstehen, denn er steht unter dem besonderen Schutz der Walküre, doch als er sich im Kampf für das Leben seines Halbbruders entscheidet (und ihm war bereits das Schicksal beschieden in Walhalla einzuziehen), zieht er damit den Zorn der Götter auf sich und wird aufs Brutalste vernichtet, und mit ihm alle, die an seiner Seite gestanden haben.

Doch Odin wäre nicht Odin, wenn er nicht einen Plan hätte, der die Rache an den Christen zum Ziele hat… und er beschwört einen Gegner, den niemand erwartet.

Elfling. Der Erbe der Krone (c) Luebbe

Elfling. Der Erbe der Krone (c) Luebbe

Welche Herausforderungen stellte die Übersetzung? Susan Prices Stil ist im Original schnörkellos und ähnelt im Ansatz dem alter, epischer Texte – der Inhalt erinnert somit auch mehr an Beowulf oder nordische Sagas als an das, was man heute landläufig unter Fantasy versteht. Kurze, gewaltige Sätze vermitteln in fast stakkato-artigem Rhythmus eine Welt voller Gewalt, Aberglauben und Krieg, in der nur die Stärke zählt und der Wille der Götter das Schicksal der Menschen bestimmt.

Gedichte, Gesänge und Folklore spielen eine wichtige Rolle, wenn etwa der Harfner die Macht der Runen beschwört, um Elfling in Bann zu schlagen:

“Ich fessle dich mit der Eisrune!

Kalter Edelstein, schmerzvoll im Griff.

Ich fessle dich mit der Hagelrunde!

Kältestes Korn, Vernichter des Korns -”

In der Zeit der ersten skandinavischen Angriffe auf England gegen Ende des 8. und zu Beginn des 9. Jahrhunderts n.Chr. stehen Heidentum und Christentum Seite an Seite. Dabei erwiesen sich die Namen der heidnischen Götter als schwierig, da Price selbst für englische Verhältnisse nicht eindeutig in der Bezeichnung war. “Woden” z.B. wurde beibehalten, denn ob man sich in der Bezeichnung zu Wodan, Wotan oder Odin entscheidet, führt zu der einen oder anderen Widersprüchlichkeit, da die Bewertung im englischsprachigen Raum eine andere ist als im deutschsprachigen.

Die Übersetzung der ursprünglichen “Lady” als “Freya” war eine Entscheidung, die getroffen wurde, weil der Begriff der “Lady” eigentlich die Übersetzung eines ihrer Titel aus dem Altnordischen ist – und im Deutschen mit “Herrin” nicht ansatzweise nachvollzogen werden kann. Die Anführerin der Walküren, die die Gefallenen vom Schlachtfeld holt, brauchte eine deutlichere Bezeichnung.

Altnordische Begriffe wie Miklagard (Konstantinopel) wurden belassen, um der Stimmung der Erzählung gerecht zu bleiben.

Welche Musik habe ich zur Rohfassung gehört? Wenn ich die Rohfassung der Übersetzung erstelle, höre ich dazu stimmige Instrumentalmusik (nur selten mit Gesang und dann auch nur im Hintergrund.) Dazu suche ich normalerweise auf meiner Lieblingsseite Magnatune ein Album heraus, das mich die kommenden Wochen begleitet. In diesem Fall handelte es sich um Kourosh Dinis Legends Mist. Die atmosphärischen Klavierstücke folgten mir auf meinem Weg durch die mythischen Welten, in denen Odin und die Walküren bestimmen, wer in die Halle der Helden einziehen darf – und wer aus dem Land der Toten zurückgeholt wird, um im Namen des Einäugigen Rache zu üben.

Eine Bewertung? Die beiden Bücher werden allen Lesern gefallen, die an Werken wie Beowulf, der Edda, der Kalevala und vergleichbaren epischen Texten der mittel- und nordeuropäischen Literatur Gefallen finden. Der durchschnittliche Fantasyleser wird sich hiermit vielleicht ein wenig schwer tun, wenn er nicht gerne high fantasy im Stile Tolkiens, Williams’ oder George R.R. Martins liest. Auch haben es deutsche Leser offensichtlich ein wenig schwieriger als Leser im anglo-amerikanischen Sprachraum, sich auf die Erzählung einzulassen: Wird ein Buch wie Elfgift bei Amazon.co.uk mit Höchstnoten versehen oder bekommt Elfking bei Library Thing immerhin 3.5 von 5 Punkten, so tun sich die deutschen Leser doch anscheinend schwer. Bei Amazon.de wird bemängelt, daß der “Hauptcharakter selber (…) wenig plastisch” war (eine interessante Erwartungshaltung) und Elfling sich wie die “Helden der alten Sagen” verhält: “gewalttätig, machomässig, selbstgefällig” (auch das eine interessante Erwartungshaltung.) Schade, denn eigentlich lesen sich beide Bücher sehr gut und flüssig (hoffentlich auch auf deutsch) und bieten eine spannende Geschichte. Sicherlich kein Premiumtitel, aber durchaus lesenswert.

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Übersetzen im EÜK

gastimeukstraelenvollst

Gast im EÜK, Mai 2010

Seit heute habe ich die große Ehre als Übersetzer im Europäischen Übersetzer-Kollegium arbeiten zu dürfen. Das EÜK bietet professionellen Übersetzern die Möglichkeit in einem Haus arbeiten zu dürfen, das über 100.000 Bände einschlägiger Fachliteratur verfügt und einzigartig in der Welt ist – es ist das weltweit erste und größte seiner Art.

Ich selbst bin in Zimmer 03 untergebracht, mit Zugang zum Garten und schätzungsweise 1.500 Büchern in meinen wunderschönen Räumlichkeiten – bei mir steht die englischsprachige Literatur von John Henry bis Nancy Huston. Meine Gute-Nacht-Lektüre ist also gesichert, und ich kann mir endlich mal wieder die Zeit nehmen, Aldous Huxleys Brave New World zu lesen.

Ich bin für drei Wochen in der niederrheinischen Kleinstadt Straelen untergebracht und übersetze eine Kurzgeschichtensammlung einer äußerst namhaften, britischen Kriminalromanautorin. Wer das ist, wird noch dieses Jahr enthüllt…

Leider werden die Fotos aus Straelen eher pixelig sein – ich habe keine vernünftige Kamera mitgenommen, aber das wird sich alles in Zukunft ändern.

Theaterübersetzen – Workshop des Deutschen Übersetzerfonds

Die Vermittlung fremdsprachiger Literatur im Deutschen lebt von der Arbeit der Übersetzer. Übersetzungen erweitern nicht nur unseren Horizont und unser Verständnis für fremde Kulturen, sie bereichern auch unsere Sprache und das literarische Leben. Je höher die Übersetzungskultur, desto reicher und lebendiger bleibt das Deutsche. Quelle

Hehre Worte einer Institution, die hervorragende Arbeit leistet, beim fleißigen Leser ursprünglich englischsprachiger Prosa und Lyrik aber vermutlich kaum bekannt ist: Der Deutsche Übersetzerfonds. Im Literarischen Colloquium Berlin beheimatet, malerisch am Wannsee gelegen, bietet er für sprachlich Kreative einen wichtigen Anlaufpunkt nicht nur in der Berliner Kulturszene, sondern auch im bundesweiten Umfeld. Hier werden über das Jahr verteilt mehrere Workshops und Seminare abgehalten, in denen sich Übersetzerinnen und Übersetzer austauschen, weiterbilden und gemeinsame Erfahrungen aus den verschiedensten Sprachrichtungen miteinander teilen können.

Ich hatte das große Glück bei einem Workshop dabei zu sein, der mir als Übersetzer gänzliches Neuland versprach – Theaterübersetzen. Bis heute habe ich aus diesem Bereich der deutschen Sprache noch keinen Auftrag zu verzeichnen, aber mein Interesse war durch die Ausschreibung geweckt. Da ich der festen Überzeugung bin, daß gerade bei sprachlich-kreativer Arbeit wie dem Übersetzen das gemeinschaftliche Erlebnis bei einem solchen Workshop mehr wert ist als die Lektüre unzähliger Fachbücher, erhoffte ich mir einen echten Mehrwert durch Querdenken.

theateruebersetzen1Die Seminarleiter Frank Heibert und Nathalie Mälzer-Semlinger suchten dann auch bereits vorab den Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen mit einer praktischen Übung, die für Kurzweil sorgte und im Verlauf des Wochenendes vom 9.-11. Oktober 2009 optimale Verwendung fand. Nach einigem Grundlagenwissen zu Sprechaktheorie, den Unterschieden zwischen Theater- und Prosadialogen und der (sicherlich nie endenden) Diskussion um den Realismusbegriff im Theater ging es ans Eingemachte.

Heibert und Mälzer-Semlinger ließen es sich nicht nehmen, Gäste zum Seminar zu laden, die ihre ganz persönliche und vor allem beruflich gefärbte Sichtweise der Dinge präsentierten. Rede und Antwort standen Anja Schneider aus dem aktuellen Ensembe des Maxim-Gorki-Theaters Berlin, Claudia Hamm (Regisseurin, Dramaturgin, Übersetzerin) und Lektor Bastian Häfner vom Theaterverlag Pegasus. Alle drei brachten interessante, oftmals überraschende Informationen zu Tage, die der Übersetzer an sich in seinem kleinen Kämmerlein wohl nicht immer bedenkt: Ist die Sprache offen genug gehalten, um der Schauspielerin Freiraum zur Interpretation zu geben? Kann der Dramaturg den Text guten Gewissens empfehlen oder muß noch poliert, angepaßt, gestrichen oder verändert werden? Was macht einen guten Theatertext aus – und vor allem: Wie kann der Übersetzer Einfluß nehmen, ohne seinem Auftrag als “Übertragender” bestehenden Materials ungerecht zu werden?

Ein Beispiel: Anja Schneider erhielt drei Versionen der eben erwähnten “Übung”, bei dem es sich um den Prosatext eines maßgeblichen, deutschsprachigen Autoren handelte, der von den Kursteilnehmern zum Theatertext umgestaltet wurde . Mit dem geübten Blick der erfahrenen Schauspielerin widmete sie sich den Varianten und erarbeitete aus den Unterschieden Gründe, welche sprachlichen Änderungen zu ‘Irritationen’ führten, die sie herausforderten. Jedes noch so kleine Detail wurde minutiös unter die prüfende Lupe szenischer Notwendigkeit gehalten – und am Ende unterhaltsam aufgelöst, als herauskam, daß es sich bei zweien der Versionen um Teilnehmerbeiträge handelten, der dritte aber die vom Autoren selbst vorgenommene Theaterumsetzung des Prosatextes war, was außer den Seminarleitern vorher niemand wußte.

theateruebersetzen2Am Samstag Abend wurde der Besuch eines Theaterstücks angesetzt, der den Praxisbezug des Seminars noch weiter erhöhte – neu erlerntes Wissen konnte somit “angewandt” und am folgenden Sonntag lebendig diskutiert werden. Mark Ravenhills “Das Produkt” im Studio der Schaubühne bot dann auch genügend Reibungsfläche, um sich köstlich dem provokanten Gespräch hinzugeben.

Alles in allem ein äußerst gelungenes Seminar, das mit hervorragender Konzeption und Durchführung glänzte, Gäste bot, die informativ und spannend in die atemberaubende Welt der Bühne einführten und sie schillernd dokumentierten, und eine sprachlich gemischte Kolleginnen- und Kollegenrunde, die dem ‘I’ sein Tüpfelchen aufsetzte.

An dieser Stelle an großes Dankeschön an alle Beteiligten und natürlich dem Deutschen Übersetzerfonds für die freundliche Unterstützung solch wunderbarer Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, die für das kulturelle Geschehen in unserem Land so wichtig sind. Eine umfassende Aufarbeitung des Seminars ist auch für eine kommende Ausgabe des Übersetzen angekündigt, der Zeitschrift des Verbands deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V. (VdÜ), dessen Mitglied ich natürlich bin. Ich freue mich schon darauf – wenn ich auch Angst vor dem obligatorischen Gruppenfoto habe, das zu jedem Seminar dazugehört. Die windumtosten Wellen des wilden Wannsees mögen alliterativ von Nutzen sein, aber für die Frisur war das luftige Wochenendwetter tödlich. :)