Bücher, die ich im Grundstudium gelesen haben sollte: Danke, Anglistikstudium!

Es ist mal wieder die Zeit, das Arbeitszimmer aufzuräumen und sich selbst zu beweisen, daß man doch kein Altrücher ist (vulgo: Lumpensammler) und für Ordnung sorgen kann. Dabei fallen einem natürlich immer wieder Sachen in die Hände die die Angewohnheit haben, doch zu weiterer Zeitverschwendung zu führen. Mein heutiges Beispiel: Die Leseliste meines Grundstudiums der Anglistik, daß ich 1993 begonnen habe. Die nachfolgenden Titel sollte ich innerhalb von vier Semestern gelesen haben. Ein Who’s Who der Literaturgeschichte. Was meinst du dazu – selbst eine Leseliste an deiner Uni gehabt? Ich freue mich über Kommentare.

Leseliste für das Grundstudium

Erzähltexte

Chaucer. “The Pardoner’s Tale.”
Defoe. Moll Flanders; Robinson Crusoe
Fielding. Joseph Andrews

Austen. Emma; Pride and Prejudice
E. Bronte. Wuthering Heights
Ch. Bronte. Jane Eyre
Crane. The Red Badge of Courage
Dickens. Oliver Twist; Great Expectations
G. Eliot. The Mill on the Floss; Adam Bede
Hardy. Tess of the d’Urbervilles; The Return of the Native
Hawthorne. The Scarlet Letter
James. The Portrait of a Lady
Melville. Moby Dick
Twain. Huckleberry Finn.

Anderson. Winesburg, Ohio
Atwood. Surfacing
Barnes. Flaubert’s Parrot; Staring at the Sun
Bellow. Herzog
Brookner. Hotel du Lac; Family and Friends
Conrad. Heart of Darkness; Lord Jim
Drabble. The Middle Ground
Doctorow. Ragtime; Billy Bathgate
Faulkner. The Sound and the Fury; Light in August
Fitzgerald. The Great Gatsby
Forster. Howards End; A Passage to India
Fowles. The French Lieutenant’s Woman
Hemingway. Short Stories
Ishiguro. An Artist of the Floating World; The Remains of the Day
Joyce. Portrait of the Artist; Dubliners
Lawrence. Sons and Lovers
Lessing. Memoirs of a Survivor
Lively. Moon Tiger
McEwan. The Cement Garden; First Love; Last Rites
Mansfield. Bliss and Other Stories; The Garden Party and Other Stories
Morrison. Song of Solomon; Tar Baby
Pynchon. The Crying of Lot 49
Roberts. The Visitation
Roth. The Ghost Writer
Salinger. Nine Stories
Silko. Ceremony
Spark. The Comforters; Loitering with Intent
Stein. Three Lives
Swift. Waterland; The Sweet Shop Owner
Toole. The Confederacy of Dunces
Tyler. The Accidental Tourist
Updike. Rabbit at Rest
Walker. The Color Purple
Weldon. Female Friends; Praxis
White. The Solid Mandala
Wilson. Late Call.
Woolf. Mrs. Dalloway; To the Lighthouse

Dolley (ed.). English Short Stories
Cochrane (ed.). American Short Stories
Bradbury (ed.). Modern British Short Stories

Drama
Everyman
Marlowe. Doctor Faustus
Shakespeare. Richard III; King Lear; A Midsummer Night’s Dream

Congreve. The Way of the World
Jonson. Volpone
Wycherly. The Country Wife

Goldsmith. The Stoops to Conquer
Sheridan. The School for Scandal

Shaw. Major Barbara; St. Joan
Synge. Riders to the Sea; Playboy of the Western World
Wilde. Lady Windermere’s Fan; The Importance of Bein Earnest

Ayckbourn. Absurd person Singular
Bond. Saved
Churchill. Top Girls; Serious Money
Edgar. Maydays
Gray. Quartermain’s Terms
Mamet. Glengary Glen Ross
Mercer. After Haggarty
Miller. Death of a Salesman
Norman. ‘night, Mother
O’Neill. Long Day’s Journey into Night
O’Casey. Juno and the Paycock
Pinter. The Caretaker
Shaffer. Equus; Amadeus
Shepard. True West
Stoppard. Rosencrantz and Guildenstern Are Dead
T. Williams. A Streetcar Named Desire

Lyrik

Shakespeare.
Donne, Milton, Pope.
Blake, Wordsworth, Coleridge, Byron
Shelley, Keats
Browning, Tennyson, Hopkins
Whitman, E. Dickinson, W.C. Williams, E. Pound, W. Stevens
Yeats, Eliot, Auden, Thomas Larkin, Hughes, S. Plath, Heaney, Causeley, Pickard
(und weitere aus New Oxford Book of English Verse, ed. Helen Gardner)

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In Erinnerung an Walter Scherf: Ein Treffen in München

Mit großem Bedauern habe ich vom Tod Dr. Walter Scherfs erfahren. Neunzig Jahre ist er geworden, der bekannte Kinder- und Jugendliteratur- sowie Märchenforscher, der sich in der Bündischen Jugend einen unvergeßlichen Platz nicht nur aufgrund seiner eindrucksvollen Lieder verdient hat, sondern weil er mit ganzem Herzen Mensch war. Ich hatte vor über fünf Jahren die große Ehre ein Gespräch mit ihm zu führen, daß ich in Erinnerung an Walter Scherf unverändert und unkorrigiert publiziere. Der Hinweis sei noch erlaubt, daß mein persönlicher Bezug natürlich Scherfs bezaubernde Erstübersetzung des Hobbit von J.R.R. Tolkien ist – und die Tatsache, daß ich früher selbst Pfadfinder war. Dr. Walter Scherf verstarb am 25. Oktober 2010.

Ein Besuch bei Walter Scherf

Als ich im Haus Lindschmitdstraße 25 klingele, wird mir schnell aufgemacht. In der Tür steht Walter Scherf, Übersetzer des „Kleinen Hobbits“ und seine Frau gleich mit dabei. Ich werde freundlich hereingebeten, Scherf wirkt gutgelaunt und erfreut ob des erwarteten Besuchs. Vor knapp zwei Wochen ist er fünfundachtzig geworden, er gehört also zu denjenigen Forschern, die ihre Festschrift noch erleben und selbst entgegennehmen können. Zwar erinnert er sich nicht sofort daran, wer ihm diese Festschrift organisiert hat, aber als seine Frau meint: „Das waren doch die Helge Gerndt und die Kristin“, da blitzt ein schelmenhaftes Lächeln auf: „Ach ja, Kristin, natürlich. Wie schön.“

An einem runden gemütlichen Tisch nehmen wir alle Platz, Walter Scherf holt vier verschiedene Ausgaben des Kleinen Hobbit, von der Erstausgabe mit den Illustrationen Horus Engels bis hin zur dtv-Neuauflage mit Tolkiens eigener Zeichnung von Hobbingen. Sein Märchenlexikon findet im Laufe des Gesprächs auch den Weg auf den Tisch, eine russische, wundervoll illustrierte Märchensammlung auch – bald ist der Tisch nicht nur von Wassergläsern bedeckt, sondern von einer ganzen Sammlung europäischer Traditionen.

Es ist eine Spurensuche, und die beginnt sehr spät. Eine der vielen Fragen ist, warum der Hobbit erst so spät in Deutschland übersetzt wurde, die Scherf sogleich zu beantworten beginnt. Es war kurz nach Krieg in der „Großen Jurte“ der Deutschen Jungenschaft des 1.11. im Wartgau, wo Horus Engels an einem Abend aus einem englischen Buch freihändig übersetzte und eine Geschichte erzählte – The Hobbit. Es wurde spät in der Nacht, das Lagerfeuer brannte und Scherf weiß nicht mehr genau, wann und aus welchem Anlaß sich Horus Engels an ihn wandte, aber die sonore, faszierende Stimme Engels sagte auf einmal: „Du bist mir der Rechte, Walter. Den Hobbit, den mußt Du übersetzen.“ Scherf wehrte sich, meinte sein Französisch sei wohl wesentlich besser als das Englische, aber Engels ließ sich nicht beirren. Scherf setzt dieses Ereignis 1947 an, aber seine Frau meinte, dies müßte um einiges später geschehen sein, zu Anfang, wenn nicht gar erst Mitte der Fünfziger (Scherf übersetzte den Hobbit 1956.)

Es war entschieden, und es war beschlossene Sache. Auf die Einwände Scherfs, daß dies doch wohl nicht einfach sei -man bedenke die schlichte Tatsache, daß die Briten wohl kaum begeistert von den Deutschen seien-, meinte Engels nur, die Einwände beiseite fegend, das ließe sich schon regeln. Und tatsächlich fuhr Scherf recht bald nach Großbritannien, in den Westen Englands, wo er sich mit dem Verleger Allen traf (von Allen & Unwyn, dem Verleger Tolkiens bis in die 1980er), den er schnell überzeugte, und der ihn an Sir Stanley Unwyn verwies, um alles weitere zu klären. Der erste Kontakt schien der wichtigste zu sein, denn er ebnete den Weg zu einer deutschen Übersetzung des Hobbit. Dies schreibt Scherf nicht zuletzt der Tatsache zu, daß er Katholik sei – und Allen war dies auch. Es war eine spontane Sympathie und diese wiederholte sich bei Sir Stanley, der Scherf sogar mit in den Club of London nahm (eine außergewöhnliche Ehre, nur Männern vorbehalten, wer mitgebracht wird, ist sofort Mitglied.) Scherf sollte später dann sogar Tolkien selbst treffen und auch hier scheint der religiöse Hintergrund ein gemeinschaftliches Verständnis gefördert zu haben, die der Übersetzung half.

Hinzu kam Scherfs persönlicher Hintergrund, der ihn als Mitglied einer Bündischen Jugend als politisch einwandfreien Deutschen auswies, keinen Mitläufer, der die NSDAP mit an die Macht brachte. Seine Jugend wurde aufgrund ihrer unabhängigen Haltung und des Widerstands gegen das Gleichschaltungsgesetz dann auch verboten. Seine bündische Zugehörigkeit hatte ihm auch im Krieg bzw. an dessen Ende geholfen: als er nach der Kapitulation in den Westen Deutschlands flüchtete, verkleidete er sich in der Kluft der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg und wurde auf seiner Flucht von einem amerikanischen Soldaten entdeckt und festgenommen. Als dieser allerdings das Pfadfinderhemd Scherfs sah, legte er seine Maschinenpistole nieder, nahm ihn in den Arm, begrüßte ihn mit dem Handschlag der Pfadfinder und meinte „I’m a scout, too.“ Nach einem kurzen Gespräch und einem „Don’t do it again, Walter!“ durfte Scherf weiterfliehen.

Da ich selbst jahrelang Mitglied der Pfadfinderschaft St. Georg war (DPSG) und Scherf dies natürlich erzählte, kam erneut das verschmitzte Lächeln des alten und lebenserfahrenen Mannes hervor: „Dann sind wir ja Bundesbrüder.“ Er reichte mir seine linke Hand, den kleinen Finger in der üblichen Weise abgespreizt und meinte nur: „Na, dann werden wir uns von jetzt ab wohl duzen. Ich bin Walter.“ Die ohnehin freundliche Atmosphäre des Gesprächs wurde nach diesem Ritual, das gerade in der älteren Generation Deutschlands noch von hoher Bedeutung ist, noch netter und der gesamte Rest des Gesprächs war eine bezaubernde Mischung aus Anekdoten und Diskussionen rund um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Struktur und Tradition der Märchen, wie die literarischen Gesellschaften in Deutschland in Zukunft zusammenarbeiten sollten und die Ergebnisse der Forschung Scherfs.

Auf die Frage, warum der Hobbit erst so spät übersetzt wurde, konnte Scherf auch keine abschließende Antwort erteilen, aber die detektivische Arbeit hat zumindest einige Impulse erhalten. Es war nicht nur ein Verlag, der Tolkien um die Rechte nach dem Hobbit gebeten hatte, sondern laut Aussage Scherfs mehrere. Was dies für die Bedeutung des Briefs Nr. 107 verändert, ist offensichtlich. Er meinte auch, daß ihm die Übersetzung des Herr der Ringe angeboten wurde, er aber diese ablehnte, weil sie einen Prinzipien zuwiederliefe.

Scherfs besondere Verdienste liegen sicherlich in der europäischen Märchenforschung, was das von ihm erstellte Märchenlexikon beeindruckend belegt. Für ihn ist die Tradition des Erzählens eine ganz besondere kulturelle Betätigung des Menschens, die in ihrer weltweiten Struktur einem auf folgende Dychothomien reduzierbare Konfliktpotential gleicht: Mutter-Sohn, Mutter-Tochter, Vater-Sohn, Vater-Tochter und im geringeren Maße das Gegenstück Bruder-Schwester, was aber nur ein Nebenschauplatz ist. Man merkt ihm an, da kommt der Dozent durch, der seine Vorlesung beginnt und seinen Studierenden im schnellen Überblick das Wichtigste vermitteln möchte. Aus dem gutgelaunten Gesicht blitzt hier kurz der nachdenkliche und gewissenhafte Forscher auf, der sich vielen Debatten rund um die Märchenforschung gestellt hat.

Der Herr der Ringe verläßt die Ebene des primären Erzählens, die der Hobbit noch so natürlich erreicht. Das Kinderbuch Tolkiens ist leichter erzähl- und vorlesbar, als es der Herr der Ringe ist, eine offensichtliche Beobachtung, die aber sicherlich in der schriftstellerischen Technik der Inhaltsvermittlung, der Charakterdarstellung und der beschriebenen Topoi zu finden ist. Scherf sah Tolkien hier in einem ganz anderen, klassisch-epischen Stil, der der von Tolkien so überzeugend vorgestellten Märchentheorie in On fairy-stories zuwiderläuft. So sehr dies natürlich Gegenstand einer lebhaften Diskussion sein könnte, so unterschiedlich sind dann auch Herr der Ringe und der Hobbit, daß Scherfs Argumentation aus seiner Perspektive logisch und konsequent erscheint. Der Titel Der kleine Hobbit und der große Zauberer erhält in einer biographischen Herangehensweise an seine Übersetzung eine ganz andere Sichtweise, denn der Titel ähnelt sicherlich mehr dem traditionell überlieferten Märchenstil, als es Der Hobbit zu zeigen vermag.

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dtv-Ausgabe des "Kleinen Hobbit" - Signiert von Walter Scherf

Die Erstausgabe, liebevoll von Horus Engels illustriert, ist dann auch eine weitere, kleine Anekdote wert, denn auf dem Titelbild sieht man Gandalf den Grauen und Bilbo, und obwohl die Darstellung des Zauberers nicht vom üblichen hohen, spitzen Hut und langen Bart abweicht, so fällt doch eine Kleinigkeit sofort im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge: Gandalf hat überdimensioniert buschige Augenbrauen – und wenn es einen Mann mit kräftigen, weit hervorstehenden, für ihn charakteristischen Augenbrauen gibt, dann ist es Walter Scherf. Frau Lehmann-Scherf lächelt, zeigt auf den Zauberer und stellt mir diese Frage, die Scherf mit einem leicht verlegenen Lächeln und einem anschließenden, lauten Lachen quittiert. Engels war es, der ihn zur Übersetzung zwang – und ihn dann auf dem Buch selbst verewigte.

Flyer der EMG und ein weiteres, kleines Heftchen mit Artikeln Scherfs wechseln den Besitzer und ich lasse mir meine dtv-Ausgabe des Hobbit von ihm signieren. Scherf scheint zuerst ein wenig peinlich berührt ob seiner Aufgabe, aber schon bald geht er mit einem „Da muß ich mir jetzt aber was überlegen“ in das Zimmer nebenan, um einige Minuten später mit einem kurzen Gedicht und einer Widmung wiederzukehren. Ein Händedrücken, „Gute Reise“ Wünsche und ein „Das war ein wirklich schönes Gespräch“ – und nach einer guten Stunde bin ich bereits wieder unterwegs, aber sicherlich um einige wunderbare Erinnerungen reicher. Ein großer Erzähler und einer, der sich auch wissenschaftlich dieser zu unrecht vernachlässigten Kunst genähert hat, hat mir eine gute Stunde einen Einblick in ein erlebnisreiches, faszinierendes Leben gegeben. Walter Scherf ist eine charismatische Persönlichkeit, und selbst mit 85 vermag er noch das zu erreichen, was andere Menschen nie in ihrem Leben schaffen: echten Charme, hohen Intellekt und die Fähigkeit, dem Gesprächspartner das Gefühl zu vermitteln, das es mehr gibt, als Bilder, Bücher und Filme zu vermitteln vermögen – es gibt auch noch das Erzählen.

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Die zehn (möglicherweise) besten Fantasybücher aller Zeiten

Noch eine von diesen Best-of-Listen, die doch zu Dutzenden im Netz kursieren? Nein. Diese Liste soll der Anfang einer lebendigen und spannenden Diskussion zu den besten Fantasybüchern aller Zeiten werden, basierend auf dem Konzept von Nachhaltigkeit und Substanz. Das Ziel soll eine vermutlich 25 oder 33 Titel umfassende Liste sein, die Liebhabern des Fantasy-Genres eine Titelauswahl bietet, die das Beste aus den verschiedenen Subgenres der Fantasy vereint und zugleich nachvollziehbar erläutert, auf Basis welcher Kriterien jedes Buch seinen Platz verdient hat. (Die Definition von Fantasy wird später ebenso diskutiert.)

Der Hintergrund ist, daß im undurchsichtigen Dschungel tausender von Titeln unglaublich viel Müll auf den Markt geworfen und zum Teil erfolgreich wird, der bei einer sachlichen und handwerklich orientierten Betrachtung der Kritik nicht standhält, auch wenn der/die entsprechenden Titel Millionen verkaufen. Die Verkaufszahlen sind kein Kriterium für Qualität. Umgekehrt bedeutet natürlich auch nicht, daß ein Buch im Selbstverlag bei einer Auflage von 200 Exemplaren gut sein muß – auch dies muß sich den nachfolgend kurz erläuterten Kriterien stellen.

Nachhaltigkeit beschreibt im weitesten Sinne die Bedeutung bzw. den Einfluß eines Buchs auf nachfolgende Generationen, vor allem auf Autorinnen und Autoren, die sich in ihrem Schaffungsprozess auf das Werk bzw. den Autoren beziehen, der sie zu neuen Werken inspiriert hat. Der Begriff beschreibt auch die wegweisende Natur des Werks bzw. des Autoren für ein besonderes Subgenre der modernen Fantasy (z.B. Dracula von Bram Stoker für Vampirromane; Der Herr der Ringe von J.R.R. Tolkien für die High Fantasy usw.) Der Schaffungsprozess ist ausdrücklich nicht auf Literatur beschränkt, sondern bezieht sich auf alle modernen Medien.

Substanz beschreibt textimmanent die handwerkliche Beschaffenheit und Originalität von Inhalt, Struktur, Charakteren usw. der Erzählung. Das Werk sollte sich der Banalität in Themenwahl und Darstellung verwehren und möglichst originelle, ungewöhnliche oder zumindest herausragend ausgeführte Varianten bekannter topoi des Genre Fantasy beinhalten. Ein Werk mit Substanz bleibt unweigerlich in Erinnerung – wegen eines faszinierenden Charakters, eines perfekt inszenierten Spannungsbogens mit logisch konsequenter und dennoch überraschender Auflösung, einer Idee, die in dieser Form noch nicht da gewesen ist. (Beispiele wären das ‘Nichts’ aus Die Unendliche Geschichte von Michael Ende; Sirius Black in Der Gefangene von Askaban von J.K. Rowling oder Eddard Stark in Das Lied von Eis und Feuer von George R.R. Martin.)

Diese Liste ist also ein work in progress. Begonnen hat sie als unterhaltsamer Vortrag/ Workshop auf der Ring*Con 2010 in Bonn, wo ich aufgrund der zeitlichen Begrenzung nur zehn Titel vorstellen konnte.

Die zehn (möglicherweise) besten
Fantasybücher aller Zeiten

  • Michael Ende: Die Unendliche Geschichte
  • Mary Shelley: Frankenstein
  • Bram Stoker: Dracula
  • Lewis Carroll: Alice im Wunderland
  • Otfried Preußler: Krabat
  • J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe
  • J.K. Rowling: Der Gefangene von Askaban
  • Neil Gaiman/ Terry Pratchett: Ein gutes Omen
  • Terry Pratchett: Die Farben der Magie
  • George R.R. Martin: Das Lied von Eis und Feuer

(Hinweis: »Ab die Post« ist das beste Terry Pratchett-Buch, berühmt wurde er mit »Die Farben der Magie«; bei Martin ist kein Einzeltitel angegeben, weil alle Bände dieselbe Qualität haben. Die zehn Titel sind nicht hierarchisch geordnet.)

Die Präsentation wurde mit Oschloe #10 erstellt. Die Liste gibt es auch als PDF zum Download.

Eine ausführliche Begründung, warum jeder dieser zehn Titel auf dieser Liste steht, erfolgt in den kommenden Wochen.

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Vier aktuelle Rezensionen auf Phantastik-Couch.de

Als Freiberufler sollte man regelmäßig darauf hinweisen, daß man “veröffentlicht” wurde, und das hole ich hiermit nach. In der Dezemberausgabe der Phantastik-Couch.de habe ich vier Rezensionen beigesteuert und würde mich freuen, wenn du dort mal vorbeischaust.

“Träume vom Wüstenplaneten.” Frank und Brian Herbert mit Kevin J. Anderson

Was »Der Herr der Ringe« für die Fantasy ist, das ist »Der Wüstenplanet«-Zyklus für die Science Fiction. Dieser Vergleich wird häufig herangezogen, um den neuen Lesern nahezubringen, wie außergewöhnlich vielfältig, wie umfangreich die Romane des amerikanischen SciFi-Autoren Frank Herbert sind. Außerdem haben beide Autoren in ihren Söhnen Nachlaßverwalter gefunden, die auch viele Jahre nach dem Tod ihrer Väter noch Bücher rund um deren fantastische Welten veröffentlichen. Mit „Träume vom Wüstenplaneten“ ist gerade ein weiteres Buch aus dem »Dune-Zyklus« erschienen. Zur Rezension.

“Die Werwölfe.” Christoph Hardebusch

Der junge Cavaliere von Otranto, Niccolo Viviani, hat sein Herz an die bezaubernde Valentine verloren und hofft sie zu heiraten. Doch sein Vater, der Conte Viviani, bestimmt für ihn eine Karriere beim Militär. Die Idylle seiner toskanischen Heimat scheint ein jähes Ende zu finden, doch Niccolo darf noch eine „Grand Tour“ machen – sich die Hörner abstoßen, etwas von der Welt sehen, wie es sich für einen Adligen zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts gehört. Aber seine Gedanken sind nur bei Valentine, die er in ihre schweizerische Heimat begleitet, bevor es zum Regimentsdienst gehen soll. Als er das malerische Dorf in der Nähe von Genf erreicht, lernt er einen außergewöhnlichen englischen Dichter und seine Freunde kennen, mit deren Ruf es nicht weit her ist: Lord Byron schert sich nicht um gesellschaftliche Zwänge. Was Niccolo aber noch nicht weiß, ist, dass Byron und seine Freunde mehr sind, als es den Anschein hat. Sie sind anders. Sie wollen ihn in ihr Rudel aufnehmen. Zur Rezension.

“Mary Wickford.” Fabrice Colin

Mary Campbell wächst als Waise in einem amerikanischen Nonnenkloster auf. Als sie 1723 im Alter von siebzehn Jahren dessen schützende Mauern verläßt, erfährt sie, daß ihr richtiger Name Wickford ist. Außerdem erhält sie ein Amulett, von dem eine besondere Macht ausgeht, und ein Gemälde, das ihr als Geschenk hinterlassen worden war. In einem Puritanerdorf namens Old Haven an der Ostküste findet sie eine Anstellung beim örtlichen Pastor und ahnt noch nicht, daß dies kein Zufall ist. Sie war schon hundert Mal an diesem Ort – in ihren Träumen. Zur Rezension.

“Die Karte von Mittelerde.” Brian Sibley und John Howe

Wer Mittelerde betreten will, der kann sich vieler Wege bedienen, aber der einfachste und direkteste Weg ist sicherlich „Die Karte von Tolkiens Mittelerde“. Brian Sibley und John Howe haben sich zusammengetan, um dem Tolkienleser einen kurzweiligen und informativen Zugang zur fantastischen Welt des „Herr der Ringe“ zu bieten. Die Stuttgarter Hobbit Presse im Hause Klett-Cotta hat nun eine neue Fassung des beliebten Reiseführers herausgebracht. Zur Rezension.

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Die letzten ihrer Art. Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde – Teil I

die-letzten-ihrer-artDouglas Adams, Mark Carwardine – Die letzten ihrer Art. Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde.

Teil I – Das Fingertier oder Aye-Aye oder Wie alles Begann

Ich lese dieses Buch gerne und habe mir Gedanken gemacht, wie es wohl um die Tiere steht, die Mr. Adams zwischen 1985 und 89 besucht hat. Heute mindestens 10 Jahre später sind einige schon weg, andere kämpfen um ihre Niesche und dritte halten den Status Quo.

Wer es versäumt hat Per Anhalter durch die Galaxis zu lesen hat nicht nur ein Stück Weltliteratur verpasst, er wird auch von der Fraktion Leser mit Unverständnis gestraft, die dieses Buch gelesen haben. Natürlich gibt es auch die Spezies, die das Buch zwar nicht gelesen, aber immerhin die BBC Serie oder den Kinofilm gesehen haben. Diese tun meistens so, als würden sie das Buch kennen.

Nun, die meisten kennen das Buch, sie haben es im Buchladen oder bei Bekannten gesehen und manche haben immerhin davon gehört wenn ihnen ihre Freunde immer und immer wieder dieses Science-Fiktion-Ding ans Herz gelegt haben und das obwohl sie doch genau wissen, dass man sowas gar nicht liest.

Der springende Punkt ist aber, dass Douglas Adams auch etwas anderes geschrieben hat und dieses Buch hat viel mit Science, aber so gar nichts mit Fiction zu tun. Was sehr bedauerlich ist. Nun, wer den Anhalter kennt, weiß um den Witz des Autors, auch diesem Buch wohnt derselbe inne, doch auf eine deutlich tragischere Weise. Auch hier dreht sich alles um die Zerstörung der Welt, doch um wie vieles trauriger, da sich alles in der Realität abspielt.

Alles fing 1985 mit einer Magazinbeilage im Observer an. Wer kennt den nicht? Ich zum Beispiel! Also habe ich mich auf Wikipedia gestürzt und mal nachgesehen, was dieser ominöse Observer so ist.

Wie online Enzyklopädien so sind, haben sie wunderbare Vorschläge, was man denn meinen könnte. Gut, ein Schiedsrichter beim Luftsportwettbewerb würde wohl kaum gemeint sein und die Zeitung in Sri Lanka lies sich durch eine eben solche aus England bei einem bekannten englischen Autor auch ausschließen.

Nun stellte sich heraus, das es den Observer seit 1791 gibt, er die erste Sonntagszeitung überhaupt war, eine hässliche Internetpräsenz hat, 1911 mal von William Waldorf Astor gekauft wurde und somit eine direkte Verbindung zu mir hat. Schließlich war der Ahn W. W. Astors kein anderer als Johan Jacob Astor, der der Zigarettenfabrik den Namen gab, deren Arbeiter ihre Kinder auf die werkseigene Schule schicken durften. Und eben diese war die erste Waldorfschule, an deren Nachkommen ich selbst meinen Unterricht absolviert habe.

Ok, ich gebe es zu, dass ist alles so weit hergeholt, dass es schon verfault ist, bevor man es genau erkennen kann, aber zum Glück geht es ja gar nicht um den Observer, ich kann mich also wieder auf das eigentliche Thema konzentrieren, nachdem das geklärt ist.

Der Observer schickte also Douglas Adams, seines Zeichens unwissender Ahnungsloser, mit Mark Carwardine, seines Zeichens wissender Zoologe, nach Madagaskar. Die Magazinbeilage sollte sich um das Fingertier, auch Aye-Aye genannt, drehen. Da Aye-Aye einfach cooler klingt als Fingertier und ich ständig das Gefühl habe, jedes x-beliebige andere Tier könnte mit Fingertier gemeint sein, werde ich im Folgenden nur noch vom Aye-Aye sprechen.

Das besondere an Madagaskar ist, und gerade das macht sie mir als einzige Insel neben Mauritius wirklich sympathisch: Es gibt keine Affen. Meine Liebe zu pelzigen Tieren ist ja fast unerschöpflich. Manche mag ich mehr, andere weniger, aber im Grunde, wenn es Fell hat ist meiner näheren und ferneren Umgebung ein freudiges Jauchzen gewiss. Aber Affen, Affen sind einfach nicht mein Ding. Ich finde sie abstoßend, ob Schimpanse (die sowieso ganz besonders, die sind doch wie reinste Arschlochkinder in Dauerform), Gorillas, Brüllaffen, Gibbons oder ach egal, einfach alle.

Manchmal treffe ich auf Leute, die mich bekehren wollen, also auch hier: Es gibt Menschen, die sind einfach zu laut, zu roh, zu gewalttätig oder zu obszön. Die sind das so oft, dass man nichts mit ihnen zu tun haben will. Jeder von denen, ist ab und zu mal melancholisch, witzig, still oder einfach nur ruhig, trotz ihrer Fehler. Affen sind immer und ich meine immer wie sie sind. Nämlich Affen. Sie sind also dauerätzend und genau deswegen möchte ich einfach immer nichts mit ihnen zu tun haben. Ich finde in jedem Zoo eine Route ihnen aus zu weichen, ich habe Paviane in Zimbabwe getroffen und es geschafft ihnen aus dem Weg zu gehen (andernfalls sähe es um mich jetzt auch deutlich schlechter aus), ich will und werde mich nicht bekehren lassen.

Die Insel die den Absprung geschafft hat und auf der es statt Affen Lemuren gibt. Tja, ganz ehrlich, Lemuren sehen für einen Laien eigentlich auch aus wie Affen, jedenfalls die größeren Exemplare. Sie haben nur ein anderes Gesicht und meistens einen deutlich überraschteren Gesichtsausdruck. Dies mag einerseits daran liegen, dass sie sich wundern, dass sie überhaupt jemand gefunden hat, andererseits aber auch an dem deutlich abgeklärteren Ausdruck der gewöhnlichen Affen, die uns durch alle Arten von Medien häufiger vors Gesicht kommen als Lemuren.

Madagaskar also, dort steht Mr. Adams nun und will zu den Aye-Aye. Tja, die sind leider schon so selten, dass er Schwierigkeiten haben wir jemanden zu finden, der eins gesehen hat, geschweige denn, dass er selbst eins sieht. Erst einmal muss er sich aber mit der Spezies Mensch herumschlagen. Als Afrikareisender weiß man: Nichts ist, wie es sein sollte, es ist einfach anders.

Kein Hubschrauber, keine Jeeps, keine Straße und das Beste anscheinend auch keine Erlaubnis zur Ausfuhr von Filmmaterial. Gut das sie gekommen sind! Aber und auch das ist eine Afrikareisenderregel, irgendwie klappt es immer. Was es dann genau ist, dass kann man vorher nie genau sagen, aber es wird schon.

Ksukol ocasatý (Daubentonia madagascariensis)

Fotograf: Tom Junek. Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0.

Das Aye-Aye ist ein nachtaktives, wenig ansprechendes Tier. Die Population war 1985 fast nur auf der 529 ha kleinen Insel Nosy Mangabé zu finden, auf die man sie umgesiedelt hatte. Nosy Mangabé liegt in der größten Bucht Madagaskars, in der Baie d’Antongil, direkt unter der Stadt Maroantsetra und gehört zum Nationalparkkomplex von Masoala.

Als das Buch 1990 erschien, hatte Mr. Adams keine größeren Nachforschungen mehr getätigt und das Aye-Aye als besseres Vorwort immerhin aufgenommen. In der Zwischenzeit hat sich doch einiges getan. Anscheinend ist das Aye-Aye nicht sooo gefährdet, wie man bisher angenommen hatte. Entweder es hat sich super gut versteckt, oder anstatt wie üblich nur alle 2-3 Jahre mal ein Junges zu bekommen, haben sie versucht die Weltherrschaft an sich zu reißen. Da es aufgrund des Affenvorkommens in der restlichen Welt nur Madagaskar zu erobern gab, ist die Ausbreitung immerhin über die ganze Insel geglückt. Somit ist das Aye-Aye anstatt wie im Jahr 200 als stark gefährdet nur noch als gering gefährdet, also als (NT) eingestuft.

Diese Einstufungen nimmt die International Union for Conservation of Nature and Natural Resources vor. Die IUCN hat verschiedene Gefährdungsstufen eingeführt um mit einem einfachen Zeichen jeden informieren zu können, wie es um unsere Natur steht. Im folgenden sind das:

  • schlussel-fur-die-einstufungExtinct (ausgestorben)
  • Extinct in the Wild (in freier Wildbahn ausgestorben)
  • Critically Endangered (vom Aussterben bedroht)
  • Endangered (stark gefährdet)
  • Vulnerable (gefährdet)
  • Near Threatened (gering gefährdet)
  • Least Concern (nicht gefährdet)
  • Data Deficient (keine ausreichenden Daten)
  • Not Evaluated (nicht eingestuft)

Auf der Seite http://www.iucnredlist.org kann man sich über die gefährdeten Tiere und ihren aktuellen Status informieren. Leider ist diese Seite nur auf Englisch. Da aber so ziemlich jedes Tier, das ich in den nächsten Episoden betrachten möchte, in eine der anderen Kategorien fällt und es Gründe gibt auch ein (NT) nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, habe ich hier einmal einen Überblick geben wollen, damit man nachvollziehen kann, was diese Zeichen bedeuten.

Unser Aye-Aye hat genau einen bekannten natürlichen Feind, die Fossa. Fossa sind keineswegs die tumben, idiotisch sabbernden Viecher, wie sie in Dreamworks Madagascar dargestellt werden. Dennoch können sie dem rund 90cm langen Aye-Aye schon Probleme bereiten. Mit 2-3 Kilo Gewicht ist es auch wirklich schwer einem fast doppelt so großen und 7-12 Kilo schweren Feind zu entkommen.

Dazu kommt der Wunsch des Aye-Ayes nach Futter und wo fände man das besser als auf den sauber angelegten Plantagen Madagaskars. Wären da nicht die erzürnten Plantagenbesitzer, die das Aye-Aye schlicht als Plage ansehen. Andere Madagassen halten sie hingegen selbst für Futter. Und über den bedrohten Lebensraum durch Abholzung muss ich gar nicht groß schreiben.

Madagaskar nimmt nicht so schnell an Landmasse zu, wie Lebensräume zerstört werden. Die Zukunft der Tiere hängt also vom Augenmerk der Menschen ab und auch wenn das Aye-Aye eher hässlich ist, hat es als einzige Unterart seiner Familie ebenso eine Daseinsberechtigung wie jedes andere Tier.

Damit sind wir am Ende des ersten Kapitels und vielleicht findet ihr Aye-Ayes auch nicht so spannend wie ich. Ich hätte lieber über die Fossa geschrieben, aber die wird von Mr. Adams nicht mal erwähnt. Dafür widmet er sich im zweiten Kapitel den Komodowaranen, den Drachen unserer Zeit. Im zweiten Teil machen wir uns also auf nach Indonesien und ergründen die Geheimnisse um Mundgeruch und misstrauische Hühner.

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Trudi Canavan. Das Zeitalter der Fünf. Buchrezension

canavanzeitalterfuenfpriesterPriester – Magier – Götter. Ithania steht vor großen Herausforderungen. Vor knapp einhundert Jahren erschufen die Götter den Rat der Weißen, eine Gruppe mächtiger Zauberer, als Verbindung zwischen Menschen und Göttern. Einhundert Jahre hat es gedauert, bis fünf auserwählte Priester diesen besonderen Status erlangten, und der letzte Neuzugang, die junge Auraya, erweist sich als Glücksgriff, denn sie versteht es, Verbündete für Ithania zu gewinnen.

Ihre Aufgabe gehört den zu den wichtigsten im Rat, denn aus dem Süden Ithanias sind Gerüchte von der Sekte der Pentadrianer in den hohen Norden gelangt, die ebenso mächtige Zauberkundige hervorgebracht hat. Die Pentadrianer wollen die Zirkler, wie die Weißen und ihre Anhänger genannt werden, auszulöschen. Auraya reist zu den benachbarten Völkern der Siyee und Elai, um sie für die Sache der Zirkler zu gewinnen, denn schon bald beginnen die Pentadrianer mit brutalen Übergriffen auf den Norden.
Der Kampf um den wahren Glauben beginnt, denn die Pentadrianer behaupten, dass die Götter des Nordens nur Lügen sind, die der Rat der Weißen erfunden hat, um seine Macht zu festigen. Die Zirkler müssen sich verteidigen, wobei auch Unschuldige zu Schaden kommen: Die Traumweber zum Beispiel sind begnadete Heiler, die aber dem Glauben der Zirkler nicht Folge leisten und im Norden geächtet sind. Als Auraya sich zu ihrem alten Lehrmeister Leiard, der ein führender Traumweber ist, hingezogen fühlt, geraten beide in den Sog widersprüchlicher Machtinteressen. Auraya möchte das Wissen der Traumweber allen Kranken zugänglich machen, Leiard die Position der Traumweber verbessern. Die Götter haben ihre eigenen Vorstellungen, was recht bald zu erheblichen Schwierigkeiten führt, denn Auraya und Leiard werden ein Liebespaar.

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Erstmalig veröffentlicht in der Nautilus 54

Als eine Armee der schwarzen Magier aus dem Süden heranzieht, kommt es zu einer gewaltigen Schlacht. Im Verlauf der Auseinandersetzung kommt viel zutage, was schon lange vergessen schien. Während des Kriegs der Götter, der vor einhundert Jahren zu Ende ging und den nur fünf überlebten, gab es Individuen, die ebenso unsterblich waren wie die Götter und von ihnen verfolgt wurden: die Wilden. Sie alle besaßen neben magischen Kräften einzigartige Fähigkeiten. Gerüchten zufolge sollen sie alle vernichtet sein. Doch Leiard entpuppt sich als Mirar, der unsterbliche Heiler und Traumweber, der angeblich vom mächtigsten Zirkler getötet wurde. Er überlebte aber, versteckte seinen Geist in Leiard, um der Verfolgung zu entgehen. Als er entdeckt wird, nehmen die Götter die Jagd wieder auf und zugleich werden die Zirkler angewiesen, den Krieg zu den Pentadrianern zu tragen. Auraya, Mirar und die anderen Wilden decken bald schon eine grausame Wirklichkeit auf, die alle überrascht.

Trudi Canavan wird als große Hoffnung der Fantasy gefeiert. Íhrer Erstlingstrilogie Die Gilde der Schwarzen Magier war in ihrem Heimatland Australien das erfolgreichste Debüt aller Zeiten. Das Zeitalter der Fünf fällt gegenüber diesem Erstling ein klein wenig ab. Dank einer multiperspektivischen Darstellungsweise und interessanten Charakteren macht Canavan Tempo, dennoch stellt sich die Frage, ob alle drei Bände an die achthundert Seiten benötigt hätten. Wer an Tad Williams, J.R.R. Tolkiens oder George R. R. Martins ausführlicher Erzählkunst Gefallen findet, dem sei Canavan empfohlen.

Dieser Artikel wurde erstmalig in der Nautilus 54 (Link zum Jahresabo) veröffentlicht, dem besten Magazin für Fantasy und Sci-Fi-Fans: Literatur, Filme, Serien, Rezensionen und Specials. Offizielle Webseite: http://www.abenteuermedien.de

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