Am letzten Sonntag feierte ich den Geburtstag meiner Schwiegermutter in spe an einem ganz außergewöhnlichen Ort: Den Prinzessinengärten in Berlin-Kreuzberg. Am südöstlichen Rand des Moritzplatzes gelegen handelt es sich hierbei um eine ehemalige urbane Brache, die die Gruppe Nomadisch Grün wieder in eine nutzbare, lebendige Oase verwandelt.
Das Konzept zu erläutern würde an dieser Stelle zu ausführlich werden, daher nur ein kurzer Auszug aus der Webseite der gemeinnützigen GmbH:
Warum sollte es nicht möglich sein, eine ungenutzte Brachfläche zu neuem urbanen Leben zu erwecken? Ein Ort, an dem ein Kreuzberger Jugendlicher, seine gärtnerisch versierte Mutter aus der ersten Migrationsgeneration, eine Professorin der Agrarwissenschaften, ein Gartenaktivist aus New York, eine junge bürgerliche Familie und eine Biobäuerin aus einem Brandenburger Hofprojekt zusammentreffen, miteinander arbeiten, voneinander lernen und gemeinsam das Selbstangebaute verspeisen, Rezepte austauschen und sich entspannen? Und der Moritzplatz soll nur ein Anfang sein. Unsere Beete sind mobil und können unabhängig vom vorgefunden Boden auch auf Hausdächern und an Wänden produktives Grün schaffen.
Kurz gesagt: was uns vorschwebt ist eine konkrete Utopie im Kleinen. Ein Versuchslabor für die nachhaltige Stadt der Zukunft.

Wilder Anbau in den Gärten
Da oben erwähnte Schwiegermama selbst begeisterte, langjährige Kreuzbergerin ist und alle kulturellen und künstlerischen Projekte, die auf so ungewöhnliche Art und Weise den Kiez beleben, gerne unterstützt, haben wir also dort gefeiert – zwischen Blumen, Nutz- und Wildpflanzen (Unkraut darf man ja nicht mehr sagen, hat mir Ciel beigebracht
), Sträuchern und Bäumen. Der wilde Schnittlauch, an dem ich rumgeknabbert habe, war auch wesentlich leckerer als alles, was man im Supermarkt bekommt – das kann ich bestätigen!

Grünes in der Brache: Tomatenaufzucht
Neben der ungewöhnlichen Perspektive des ansonsten völlig leblosen, lieblosen, baustellengeplagten U-Bahnhalteplatzes haben auch gutes Wetter, die bezaubernde Versorgung mit erstklassigem Kaffee und kleinen Knabbereien den Nachmittag zu richtig Spaß werden lassen.
Ich kann jedem, der gerne mal Seele und Füße baumeln lassen will, den Besuch in den Prinzessinengärten nur empfehlen. Mitten in der Großstadt der Versuch die Stadt endlich wieder zum Leben zu erwecken und nicht einfach nur touristischen Alltag oder politisch-wirtschaftlichen Größenwahn über sich ergehen zu lassen. Dort, wo man wohnt, sollte man auch nachhaltig leben können. Da capo, Nomadisch Grün!
Alle Infos gibt es auf der ansprechenden Internetpräsenz:
http://prinzessinnengarten.net
Bildnachweis: Fotograf ist der Redaktion bekannt. Alle Fotografien sind urheberrechtlich geschützt. Weitere Verwendung nur nach schriftlicher Genehmigung.
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