Es ist schön, endlich wieder Hobbits und Zwerge zu sehen.
Viel Spaß beim Zuschauen.
Hohe Auflösung unter: http://trailers.apple.com/trailers/wb/thehobbit/

Es ist schön, endlich wieder Hobbits und Zwerge zu sehen.
Viel Spaß beim Zuschauen.
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The Animation Workshop in Dänemark scheint eine wirklich bezaubernde Brutstätte spannendster Kreativität in der Animationskunst zu sein, wenn ein solcher Film eine Bachelor-Arbeit sein kann – die Abschlußarbeit eines Studenten! Die 2011er Klasse hat im Februar ihre Filme bei Vimeo eingestellt, und ich muß mich bei Blaz dafür bedanken, daß er mir diese unterhaltsamen sieben Minuten verlinkte.
Biôrn möchte als richtiger Wikinger natürlich nur eins: Ehrenvoll im Kampf sterben, um nach Walhalla einziehen und für den Rest der Ewigkeit mit den anderen, gefallenen Helden feiern zu können. Doch wann immer sich ihm eine solche Gelegenheit bietet, scheinen sich die Götter gegen ihn verschworen zu haben – bis er auf einen riesigen Troll trifft, der gerade eine Kirche in Flammen aufgehen läßt …
Biôrn, an old Viking, is determined to reach Valhalla, the warrior’s afterlife full of excessive drinking and debauchery. To gain entry he has to die honorably in battle, but he discovers that the right death isn’t so easy
Bildhinweis: Saga of Biôrn, Animation Workshop, 2011. A film by: Benjamin J. Kousholt, Daniel D. Christensen, Mads Lundgaard Christensen, Jesper A. Jensen, Jonas K. Doctor, Steffen Lyhne, Pernille Ørum-Nielsen, Frederik Bjerre-Poulsen, Jonas Georgakakis

Ich freue mich schon auf eine außergewöhnliche Veranstaltung im nicht an außergewöhnlichen Veranstaltungen armen Berlin – diesen Samstag im Periplaneta ab 20 Uhr. Warum ich die Werbetrommel rühre? Ganz einfach: Mit dem Projekt Schementhemen bewegen sich die Herren Jung & Märkert offensichtlich schon seit einigen Jahren im magischen Umfeld ungewöhnlicher Musik, stimmgewaltigen Vorträgen sowie spannenden und kurzweiligen Geschichten zzgl. interessanter Gastkünstler (hier: Herr Klatte.) Da ich Myk Jung seit vielen Jahren kenne (seine Parodie Der Herr der Ohrringe ist eine der wenigen, die man sich als Tolkienfan wirklich durchlesen kann) und seinen außergewöhnlichen Humor, gepaart mit einer griffig-betörenden und verheißungsvollen Stimme, sehr zu schätzen weiß, werde ich die seltene Gelegenheit nutzen, Schementhemen wahrzunehmen. Und ja, seine Stimme klingt so. Zumindest für mich. Was sie mir verheißt, bestimmen die Anzahl konsumierter Biere am jeweiligen Abend.
Wer noch nicht weiß, welch ungewöhnlich Ding er am Samstag bestreiten soll, der hat hier eine erstklassige Option. Nicht dumm gucken – hingehen! Wenn Du Dir noch nicht vorstellen kannst, was sich hier eigentlich ergeben wird: Wirf einen Blick auf die Pressestimmen zum Event.
Eintritt: Frei, um Spenden wird gebeten.

Freue mich sehr an dieser Stelle bekanntzugeben, daß ich meinen zweiten Artikel bei Suite101.de veröffentlicht habe. Der Titel lautet Filmkritik. Roy Roy – Historisches Highland-Drama.
Clan-Chef Rob Rox MacGregor will die Zukunft seines Clans sichern, wird bestohlen und betrogen, und zieht in den Kampf gegen die Ungerechtigkeit.
Den Artikel bei Suite101.de lesen.
Bildhinweis: Grab Rob Roy MacGregors. Joe / Wikipedia
03.02.2011 Marcel Bülles
Schottland im Jahr 1713. Vielen Highlandern geht es so schlecht, daß sie nach Amerika auswandern, doch Rob Roy MacGregor hat anderes im Sinn. Der Clan-Chef borgt sich 1.000 schottische Pfund vom Marquis de Montrose, einem schleimigen Adligen, um Vieh zu kaufen, es aufzupäppeln und schließlich mit großen Gewinn weiterzuverkaufen. Seine Bürgschaft ist sein Land und damit alle Menschen seines Clans, für die er verantwortlich zeichnet.
An dem Plan gibt es nichts auszusetzen, wären da nicht der Hofmeister des Marquis, Killearn, und dessen englische Hofschranze und Fechtmeister Cunningham. Sie überfallen den Mann, der das geborgte Geld nach Graigrostan und zum Clan der MacGregors bringen sollte, töten ihn und teilen das Geld unter sich auf. Montrose, der von dem Komplett zwar weiß, es aber nicht mißbilligt, will nun Rob Roys Land einziehen, weil der seine Schulden nicht bezahlen kann. Ein Krieg folgt, den Montrose so nicht erwartet hat.
1995 erschienen zwei Filme zu schottischen Helden und nur einer von beiden war weltweit erfolgreich. Braveheart spielte über 200 Millionen US-Dollar ein, wurde für zehn Oscars(c) nominiert und gewann fünf (unter ihnen Beste Regie und Bester Film) und durfte sich über weitere zahlreiche Nominierungen und Siege bei den BAFTAs und dem Golden Globe(c) freuen. Rob Roy spielte etwas über 30 Millionen US-Dollar ein und konnte nur deswegen bei den üblichen Filmpreisen punkten, weil der Bösewicht Cunningham so einzigartig vom britischen Schauspieler Tim Roth dargestellt wurde.
Der Erfolg mag diesem Film vielleicht nicht recht gegeben haben, aber Rob Roy muß sich sicherlich nicht hinter seinem “großen Bruder” verstecken. Der von Mel Gibson porträtierte William Wallace wird im eigenen Film vom englischen König (Patrick McGoohan) an die Wand gespielt und das war es auch schon an herausragenden Leistungen; die Zahl fähiger Schauspieler in Rob Roy ist um einiges höher.
Das Ehepaar MacGregor macht generell eine gute Figur (Liam Neeson und Jessica Lange); die Bösewichter werden von John Hurt (Montrose), Brian Cox (Killearn) und Tim Roth (Cunningham) blendend dargestellt. Roth war in seiner Rolle als Fechtmeister Cunningham sogar für den Oscar(c) und den Golden Globe(c) als bester Nebendarsteller nominiert und konnte zumindest den BAFTA mit nach Hause nehmen und das nicht ohne Grund: Er spielt den hinterhältigen, brillianten, englischen Fechtmeister, der sich seinen Lebensunterhalt durch Speichelleckelei bei Montrose verdient, mit Bravour und Verachtung. Verständlich, daß er bei der Chance 1.000 Pfund zu stehlen, zugreift und keinerlei Skrupel hat zum Mörder zu werden.
Doch nicht nur die Schauspieler schneiden besser ab als bei Braveheart. Es ist auch der historische Hintergrund, der wesentlich näher an den wirklichen Ereignissen liegt, als das Braveheart je geschafft hat (die Times wählte Gibsons Werk bei den zehn historisch unkorrektesten filmischen Darstellungen auf Platz zwei.) Da werden schon mal ein paar Jahrzehnte gekleckert, damit sich William Wallace und der Bruce treffen können. Rob Roy hat das nicht nötig. [Wer sich über die historischen Hintergründe der Person Rob Roy MacGregor informieren möchte, kann dies natürlich bei Suite101.de tun.]
Dennoch blieb der Film hinter Gibsons Meisterwerk zurück, und das ist verständlich. Ist Braveheart bombastisch, übermäßig beworben und mit Sophie Marceau auch noch hübsch bebildert worden, bietet Rob Roy vergleichsweise Schlichtes, das der Realität der schottischen Highlands zu Beginn des 18. Jahrhunderts entspricht. Der Film ist mehr eine Hommage an ehrbare Männer, die nur versuchen, den ihren ein wenig Glück und Zufriedenheit zu verschaffen (ein eher langweiliges Thema), als ein Hollywood-Epos, das durch bunte Bilder, laute Musik und donnernde Effekte und Sounds zu verwirren vermag.
Anspruchsvoller, realistischer, besser gespielt – das sind mehr als genügend Gründe sich auch Rob Roy in Ruhe anzuschauen. Die literarische Vorlage hat niemand Geringerer als Sir Walter Scott geschrieben, ohne den es heute das Genre des historischen Romans gar nicht geben würde (zu seinen Werken gehört u.a. Ivanhoe.) Übrigens: Wer Heinrich von Kleists Novelle Michael Kohlhaas gelesen hat, der mag eine Vorstellung davon haben, wie Roy Roy gerade auch als Film funktioniert: Der Kampf des underdogs gegen die Mächtigen, das Aufbegehren gegen himmelschreiende Ungerechtigkeit, ohne Rücksicht auf Verluste. Auch wenn der Film an einzelnen Stellen seine Längen hat, so vermittelt er doch eine packende, traurige Geschichte, die hoffen läßt, daß es doch so etwas wie Gerechtigkeit gibt.

Es ist mal wieder die Zeit, das Arbeitszimmer aufzuräumen und sich selbst zu beweisen, daß man doch kein Altrücher ist (vulgo: Lumpensammler) und für Ordnung sorgen kann. Dabei fallen einem natürlich immer wieder Sachen in die Hände die die Angewohnheit haben, doch zu weiterer Zeitverschwendung zu führen. Mein heutiges Beispiel: Die Leseliste meines Grundstudiums der Anglistik, daß ich 1993 begonnen habe. Die nachfolgenden Titel sollte ich innerhalb von vier Semestern gelesen haben. Ein Who’s Who der Literaturgeschichte. Was meinst du dazu – selbst eine Leseliste an deiner Uni gehabt? Ich freue mich über Kommentare.
Leseliste für das Grundstudium
Erzähltexte
Chaucer. “The Pardoner’s Tale.”
Defoe. Moll Flanders; Robinson Crusoe
Fielding. Joseph AndrewsAusten. Emma; Pride and Prejudice
E. Bronte. Wuthering Heights
Ch. Bronte. Jane Eyre
Crane. The Red Badge of Courage
Dickens. Oliver Twist; Great Expectations
G. Eliot. The Mill on the Floss; Adam Bede
Hardy. Tess of the d’Urbervilles; The Return of the Native
Hawthorne. The Scarlet Letter
James. The Portrait of a Lady
Melville. Moby Dick
Twain. Huckleberry Finn.Anderson. Winesburg, Ohio
Atwood. Surfacing
Barnes. Flaubert’s Parrot; Staring at the Sun
Bellow. Herzog
Brookner. Hotel du Lac; Family and Friends
Conrad. Heart of Darkness; Lord Jim
Drabble. The Middle Ground
Doctorow. Ragtime; Billy Bathgate
Faulkner. The Sound and the Fury; Light in August
Fitzgerald. The Great Gatsby
Forster. Howards End; A Passage to India
Fowles. The French Lieutenant’s Woman
Hemingway. Short Stories
Ishiguro. An Artist of the Floating World; The Remains of the Day
Joyce. Portrait of the Artist; Dubliners
Lawrence. Sons and Lovers
Lessing. Memoirs of a Survivor
Lively. Moon Tiger
McEwan. The Cement Garden; First Love; Last Rites
Mansfield. Bliss and Other Stories; The Garden Party and Other Stories
Morrison. Song of Solomon; Tar Baby
Pynchon. The Crying of Lot 49
Roberts. The Visitation
Roth. The Ghost Writer
Salinger. Nine Stories
Silko. Ceremony
Spark. The Comforters; Loitering with Intent
Stein. Three Lives
Swift. Waterland; The Sweet Shop Owner
Toole. The Confederacy of Dunces
Tyler. The Accidental Tourist
Updike. Rabbit at Rest
Walker. The Color Purple
Weldon. Female Friends; Praxis
White. The Solid Mandala
Wilson. Late Call.
Woolf. Mrs. Dalloway; To the LighthouseDolley (ed.). English Short Stories
Cochrane (ed.). American Short Stories
Bradbury (ed.). Modern British Short StoriesDrama
Everyman
Marlowe. Doctor Faustus
Shakespeare. Richard III; King Lear; A Midsummer Night’s DreamCongreve. The Way of the World
Jonson. Volpone
Wycherly. The Country WifeGoldsmith. The Stoops to Conquer
Sheridan. The School for ScandalShaw. Major Barbara; St. Joan
Synge. Riders to the Sea; Playboy of the Western World
Wilde. Lady Windermere’s Fan; The Importance of Bein EarnestAyckbourn. Absurd person Singular
Bond. Saved
Churchill. Top Girls; Serious Money
Edgar. Maydays
Gray. Quartermain’s Terms
Mamet. Glengary Glen Ross
Mercer. After Haggarty
Miller. Death of a Salesman
Norman. ‘night, Mother
O’Neill. Long Day’s Journey into Night
O’Casey. Juno and the Paycock
Pinter. The Caretaker
Shaffer. Equus; Amadeus
Shepard. True West
Stoppard. Rosencrantz and Guildenstern Are Dead
T. Williams. A Streetcar Named DesireLyrik
Shakespeare.
Donne, Milton, Pope.
Blake, Wordsworth, Coleridge, Byron
Shelley, Keats
Browning, Tennyson, Hopkins
Whitman, E. Dickinson, W.C. Williams, E. Pound, W. Stevens
Yeats, Eliot, Auden, Thomas Larkin, Hughes, S. Plath, Heaney, Causeley, Pickard
(und weitere aus New Oxford Book of English Verse, ed. Helen Gardner)

Lassen sie sich in die Welt der ›Inklings‹ entführen, in das Jahr 1940. Folgen sie Tolkien, Lewis und Williams in ein spannendes Abenteuer, das von den Legenden König Arthurs zur Entdeckung der ›Heiligen Lanze‹ führt, und dem Versuch, sie aus Großbritannien zu entführen…
Diese Rezension ist auf der Webseite der Deutschen Tolkien Gesellschaft e.V. erschienen:
Rezension: Looking for the King.
Die englischsprachige Version finden sie hier auf meinem Blog.
Mit großem Bedauern habe ich vom Tod Dr. Walter Scherfs erfahren. Neunzig Jahre ist er geworden, der bekannte Kinder- und Jugendliteratur- sowie Märchenforscher, der sich in der Bündischen Jugend einen unvergeßlichen Platz nicht nur aufgrund seiner eindrucksvollen Lieder verdient hat, sondern weil er mit ganzem Herzen Mensch war. Ich hatte vor über fünf Jahren die große Ehre ein Gespräch mit ihm zu führen, daß ich in Erinnerung an Walter Scherf unverändert und unkorrigiert publiziere. Der Hinweis sei noch erlaubt, daß mein persönlicher Bezug natürlich Scherfs bezaubernde Erstübersetzung des Hobbit von J.R.R. Tolkien ist – und die Tatsache, daß ich früher selbst Pfadfinder war. Dr. Walter Scherf verstarb am 25. Oktober 2010.
Als ich im Haus Lindschmitdstraße 25 klingele, wird mir schnell aufgemacht. In der Tür steht Walter Scherf, Übersetzer des „Kleinen Hobbits“ und seine Frau gleich mit dabei. Ich werde freundlich hereingebeten, Scherf wirkt gutgelaunt und erfreut ob des erwarteten Besuchs. Vor knapp zwei Wochen ist er fünfundachtzig geworden, er gehört also zu denjenigen Forschern, die ihre Festschrift noch erleben und selbst entgegennehmen können. Zwar erinnert er sich nicht sofort daran, wer ihm diese Festschrift organisiert hat, aber als seine Frau meint: „Das waren doch die Helge Gerndt und die Kristin“, da blitzt ein schelmenhaftes Lächeln auf: „Ach ja, Kristin, natürlich. Wie schön.“
An einem runden gemütlichen Tisch nehmen wir alle Platz, Walter Scherf holt vier verschiedene Ausgaben des Kleinen Hobbit, von der Erstausgabe mit den Illustrationen Horus Engels bis hin zur dtv-Neuauflage mit Tolkiens eigener Zeichnung von Hobbingen. Sein Märchenlexikon findet im Laufe des Gesprächs auch den Weg auf den Tisch, eine russische, wundervoll illustrierte Märchensammlung auch – bald ist der Tisch nicht nur von Wassergläsern bedeckt, sondern von einer ganzen Sammlung europäischer Traditionen.
Es ist eine Spurensuche, und die beginnt sehr spät. Eine der vielen Fragen ist, warum der Hobbit erst so spät in Deutschland übersetzt wurde, die Scherf sogleich zu beantworten beginnt. Es war kurz nach Krieg in der „Großen Jurte“ der Deutschen Jungenschaft des 1.11. im Wartgau, wo Horus Engels an einem Abend aus einem englischen Buch freihändig übersetzte und eine Geschichte erzählte – The Hobbit. Es wurde spät in der Nacht, das Lagerfeuer brannte und Scherf weiß nicht mehr genau, wann und aus welchem Anlaß sich Horus Engels an ihn wandte, aber die sonore, faszierende Stimme Engels sagte auf einmal: „Du bist mir der Rechte, Walter. Den Hobbit, den mußt Du übersetzen.“ Scherf wehrte sich, meinte sein Französisch sei wohl wesentlich besser als das Englische, aber Engels ließ sich nicht beirren. Scherf setzt dieses Ereignis 1947 an, aber seine Frau meinte, dies müßte um einiges später geschehen sein, zu Anfang, wenn nicht gar erst Mitte der Fünfziger (Scherf übersetzte den Hobbit 1956.)
Es war entschieden, und es war beschlossene Sache. Auf die Einwände Scherfs, daß dies doch wohl nicht einfach sei -man bedenke die schlichte Tatsache, daß die Briten wohl kaum begeistert von den Deutschen seien-, meinte Engels nur, die Einwände beiseite fegend, das ließe sich schon regeln. Und tatsächlich fuhr Scherf recht bald nach Großbritannien, in den Westen Englands, wo er sich mit dem Verleger Allen traf (von Allen & Unwyn, dem Verleger Tolkiens bis in die 1980er), den er schnell überzeugte, und der ihn an Sir Stanley Unwyn verwies, um alles weitere zu klären. Der erste Kontakt schien der wichtigste zu sein, denn er ebnete den Weg zu einer deutschen Übersetzung des Hobbit. Dies schreibt Scherf nicht zuletzt der Tatsache zu, daß er Katholik sei – und Allen war dies auch. Es war eine spontane Sympathie und diese wiederholte sich bei Sir Stanley, der Scherf sogar mit in den Club of London nahm (eine außergewöhnliche Ehre, nur Männern vorbehalten, wer mitgebracht wird, ist sofort Mitglied.) Scherf sollte später dann sogar Tolkien selbst treffen und auch hier scheint der religiöse Hintergrund ein gemeinschaftliches Verständnis gefördert zu haben, die der Übersetzung half.
Hinzu kam Scherfs persönlicher Hintergrund, der ihn als Mitglied einer Bündischen Jugend als politisch einwandfreien Deutschen auswies, keinen Mitläufer, der die NSDAP mit an die Macht brachte. Seine Jugend wurde aufgrund ihrer unabhängigen Haltung und des Widerstands gegen das Gleichschaltungsgesetz dann auch verboten. Seine bündische Zugehörigkeit hatte ihm auch im Krieg bzw. an dessen Ende geholfen: als er nach der Kapitulation in den Westen Deutschlands flüchtete, verkleidete er sich in der Kluft der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg und wurde auf seiner Flucht von einem amerikanischen Soldaten entdeckt und festgenommen. Als dieser allerdings das Pfadfinderhemd Scherfs sah, legte er seine Maschinenpistole nieder, nahm ihn in den Arm, begrüßte ihn mit dem Handschlag der Pfadfinder und meinte „I’m a scout, too.“ Nach einem kurzen Gespräch und einem „Don’t do it again, Walter!“ durfte Scherf weiterfliehen.
Da ich selbst jahrelang Mitglied der Pfadfinderschaft St. Georg war (DPSG) und Scherf dies natürlich erzählte, kam erneut das verschmitzte Lächeln des alten und lebenserfahrenen Mannes hervor: „Dann sind wir ja Bundesbrüder.“ Er reichte mir seine linke Hand, den kleinen Finger in der üblichen Weise abgespreizt und meinte nur: „Na, dann werden wir uns von jetzt ab wohl duzen. Ich bin Walter.“ Die ohnehin freundliche Atmosphäre des Gesprächs wurde nach diesem Ritual, das gerade in der älteren Generation Deutschlands noch von hoher Bedeutung ist, noch netter und der gesamte Rest des Gesprächs war eine bezaubernde Mischung aus Anekdoten und Diskussionen rund um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Struktur und Tradition der Märchen, wie die literarischen Gesellschaften in Deutschland in Zukunft zusammenarbeiten sollten und die Ergebnisse der Forschung Scherfs.
Auf die Frage, warum der Hobbit erst so spät übersetzt wurde, konnte Scherf auch keine abschließende Antwort erteilen, aber die detektivische Arbeit hat zumindest einige Impulse erhalten. Es war nicht nur ein Verlag, der Tolkien um die Rechte nach dem Hobbit gebeten hatte, sondern laut Aussage Scherfs mehrere. Was dies für die Bedeutung des Briefs Nr. 107 verändert, ist offensichtlich. Er meinte auch, daß ihm die Übersetzung des Herr der Ringe angeboten wurde, er aber diese ablehnte, weil sie einen Prinzipien zuwiederliefe.
Scherfs besondere Verdienste liegen sicherlich in der europäischen Märchenforschung, was das von ihm erstellte Märchenlexikon beeindruckend belegt. Für ihn ist die Tradition des Erzählens eine ganz besondere kulturelle Betätigung des Menschens, die in ihrer weltweiten Struktur einem auf folgende Dychothomien reduzierbare Konfliktpotential gleicht: Mutter-Sohn, Mutter-Tochter, Vater-Sohn, Vater-Tochter und im geringeren Maße das Gegenstück Bruder-Schwester, was aber nur ein Nebenschauplatz ist. Man merkt ihm an, da kommt der Dozent durch, der seine Vorlesung beginnt und seinen Studierenden im schnellen Überblick das Wichtigste vermitteln möchte. Aus dem gutgelaunten Gesicht blitzt hier kurz der nachdenkliche und gewissenhafte Forscher auf, der sich vielen Debatten rund um die Märchenforschung gestellt hat.
Der Herr der Ringe verläßt die Ebene des primären Erzählens, die der Hobbit noch so natürlich erreicht. Das Kinderbuch Tolkiens ist leichter erzähl- und vorlesbar, als es der Herr der Ringe ist, eine offensichtliche Beobachtung, die aber sicherlich in der schriftstellerischen Technik der Inhaltsvermittlung, der Charakterdarstellung und der beschriebenen Topoi zu finden ist. Scherf sah Tolkien hier in einem ganz anderen, klassisch-epischen Stil, der der von Tolkien so überzeugend vorgestellten Märchentheorie in On fairy-stories zuwiderläuft. So sehr dies natürlich Gegenstand einer lebhaften Diskussion sein könnte, so unterschiedlich sind dann auch Herr der Ringe und der Hobbit, daß Scherfs Argumentation aus seiner Perspektive logisch und konsequent erscheint. Der Titel Der kleine Hobbit und der große Zauberer erhält in einer biographischen Herangehensweise an seine Übersetzung eine ganz andere Sichtweise, denn der Titel ähnelt sicherlich mehr dem traditionell überlieferten Märchenstil, als es Der Hobbit zu zeigen vermag.
Die Erstausgabe, liebevoll von Horus Engels illustriert, ist dann auch eine weitere, kleine Anekdote wert, denn auf dem Titelbild sieht man Gandalf den Grauen und Bilbo, und obwohl die Darstellung des Zauberers nicht vom üblichen hohen, spitzen Hut und langen Bart abweicht, so fällt doch eine Kleinigkeit sofort im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge: Gandalf hat überdimensioniert buschige Augenbrauen – und wenn es einen Mann mit kräftigen, weit hervorstehenden, für ihn charakteristischen Augenbrauen gibt, dann ist es Walter Scherf. Frau Lehmann-Scherf lächelt, zeigt auf den Zauberer und stellt mir diese Frage, die Scherf mit einem leicht verlegenen Lächeln und einem anschließenden, lauten Lachen quittiert. Engels war es, der ihn zur Übersetzung zwang – und ihn dann auf dem Buch selbst verewigte.
Flyer der EMG und ein weiteres, kleines Heftchen mit Artikeln Scherfs wechseln den Besitzer und ich lasse mir meine dtv-Ausgabe des Hobbit von ihm signieren. Scherf scheint zuerst ein wenig peinlich berührt ob seiner Aufgabe, aber schon bald geht er mit einem „Da muß ich mir jetzt aber was überlegen“ in das Zimmer nebenan, um einige Minuten später mit einem kurzen Gedicht und einer Widmung wiederzukehren. Ein Händedrücken, „Gute Reise“ Wünsche und ein „Das war ein wirklich schönes Gespräch“ – und nach einer guten Stunde bin ich bereits wieder unterwegs, aber sicherlich um einige wunderbare Erinnerungen reicher. Ein großer Erzähler und einer, der sich auch wissenschaftlich dieser zu unrecht vernachlässigten Kunst genähert hat, hat mir eine gute Stunde einen Einblick in ein erlebnisreiches, faszinierendes Leben gegeben. Walter Scherf ist eine charismatische Persönlichkeit, und selbst mit 85 vermag er noch das zu erreichen, was andere Menschen nie in ihrem Leben schaffen: echten Charme, hohen Intellekt und die Fähigkeit, dem Gesprächspartner das Gefühl zu vermitteln, das es mehr gibt, als Bilder, Bücher und Filme zu vermitteln vermögen – es gibt auch noch das Erzählen.
Noch eine von diesen Best-of-Listen, die doch zu Dutzenden im Netz kursieren? Nein. Diese Liste soll der Anfang einer lebendigen und spannenden Diskussion zu den besten Fantasybüchern aller Zeiten werden, basierend auf dem Konzept von Nachhaltigkeit und Substanz. Das Ziel soll eine vermutlich 25 oder 33 Titel umfassende Liste sein, die Liebhabern des Fantasy-Genres eine Titelauswahl bietet, die das Beste aus den verschiedenen Subgenres der Fantasy vereint und zugleich nachvollziehbar erläutert, auf Basis welcher Kriterien jedes Buch seinen Platz verdient hat. (Die Definition von Fantasy wird später ebenso diskutiert.)
Der Hintergrund ist, daß im undurchsichtigen Dschungel tausender von Titeln unglaublich viel Müll auf den Markt geworfen und zum Teil erfolgreich wird, der bei einer sachlichen und handwerklich orientierten Betrachtung der Kritik nicht standhält, auch wenn der/die entsprechenden Titel Millionen verkaufen. Die Verkaufszahlen sind kein Kriterium für Qualität. Umgekehrt bedeutet natürlich auch nicht, daß ein Buch im Selbstverlag bei einer Auflage von 200 Exemplaren gut sein muß – auch dies muß sich den nachfolgend kurz erläuterten Kriterien stellen.
Nachhaltigkeit beschreibt im weitesten Sinne die Bedeutung bzw. den Einfluß eines Buchs auf nachfolgende Generationen, vor allem auf Autorinnen und Autoren, die sich in ihrem Schaffungsprozess auf das Werk bzw. den Autoren beziehen, der sie zu neuen Werken inspiriert hat. Der Begriff beschreibt auch die wegweisende Natur des Werks bzw. des Autoren für ein besonderes Subgenre der modernen Fantasy (z.B. Dracula von Bram Stoker für Vampirromane; Der Herr der Ringe von J.R.R. Tolkien für die High Fantasy usw.) Der Schaffungsprozess ist ausdrücklich nicht auf Literatur beschränkt, sondern bezieht sich auf alle modernen Medien.
Substanz beschreibt textimmanent die handwerkliche Beschaffenheit und Originalität von Inhalt, Struktur, Charakteren usw. der Erzählung. Das Werk sollte sich der Banalität in Themenwahl und Darstellung verwehren und möglichst originelle, ungewöhnliche oder zumindest herausragend ausgeführte Varianten bekannter topoi des Genre Fantasy beinhalten. Ein Werk mit Substanz bleibt unweigerlich in Erinnerung – wegen eines faszinierenden Charakters, eines perfekt inszenierten Spannungsbogens mit logisch konsequenter und dennoch überraschender Auflösung, einer Idee, die in dieser Form noch nicht da gewesen ist. (Beispiele wären das ‘Nichts’ aus Die Unendliche Geschichte von Michael Ende; Sirius Black in Der Gefangene von Askaban von J.K. Rowling oder Eddard Stark in Das Lied von Eis und Feuer von George R.R. Martin.)
Diese Liste ist also ein work in progress. Begonnen hat sie als unterhaltsamer Vortrag/ Workshop auf der Ring*Con 2010 in Bonn, wo ich aufgrund der zeitlichen Begrenzung nur zehn Titel vorstellen konnte.
(Hinweis: »Ab die Post« ist das beste Terry Pratchett-Buch, berühmt wurde er mit »Die Farben der Magie«; bei Martin ist kein Einzeltitel angegeben, weil alle Bände dieselbe Qualität haben. Die zehn Titel sind nicht hierarchisch geordnet.)
Die Präsentation wurde mit Oschloe #10 erstellt. Die Liste gibt es auch als PDF zum Download.
Gru will der größte Schurke der Welt sein. Doch im Moment ist er eher unzufrieden, denn nach vielen Jahren beachtlichen Bestrebens muß er sich gegen die jüngere Konkurrenz behaupten. Sein aktuelles Projekt soll ihm den lange verdienten Ruhm endlich einbringen – er will den Mond stehlen. Dafür braucht er nur eine neue Superwaffe, den Schrumpfstrahler, mit dem sich beliebige Objekte verkleinern lassen; der Mond natürlich auch.
Aber Vector, einer dieser verfluchten, jüngeren Schurken scheint ihm immer einen Schritt voraus zu sein. Als Gru den Strahler schon in seiner Hand hat, stiehlt ihn Vector von seinem Widersacher – und es sieht wirklich nicht gut für Gru, seinen Helfershelfer Dr. Nefario und seine Minions aus. Die Bank des Bösen will ihm keine Kredite mehr für seine Projekte einräumen. Seine Karriere scheint am Ende.
Doch als er verzweifelt versucht, in Vectors unbezwingbare Festung einzudringen, entdeckt er eine Schwachstelle: Drei kleine Mädchen verkaufen für einen guten Zweck Kekse, das Lieblingsessen Vectors. Sie können problemlos in die Festung gelangen, und Grus hinterhältiges Hirn heckt sofort einen niederträchtigen Plan aus, wie er die Kleinen für seine Zwecke mißbrauchen kann: Er adoptiert sie, denn es handelt sich bei allen dreien um Waisen.
Eine Sache hat Gru aber nicht eingeplant: Er ist nun ihr Vater, und die Kinder, die einen Vater erwartet haben, erkennen bald, daß irgendetwas an ihm nicht stimmt. Sein riesiges Haus in einer gut situierten Wohngegend ist in Wirklichkeit die Brutstätte neuester Verbrechenstechnologie und der Ort, an dem er den Diebstahl des Monds organisiert. Sie helfen ihm tatsächlich – der Schrumpfstrahler ist bald gestohlen, und alles scheint nach Plan zu laufen. Doch die nervigen Drei wachsen ihm ans Herz und schon bald muß er sich entscheiden: Will er der größte Schurke der Welt werden – oder ihnen ein Vater sein?

Ich - einfach unverbesserlich (c). Andere Väter haben Modelleisen- und Carrerabahnen im Keller. Unserer Vater baut eine Rakete, die ihn zum Mond bringen soll.
Eine kurze Bewertung
Zum ersten Mal seit Jahren habe ich einen Zeichentrickfilm gesehen, der nicht nur technisch sauber animiert ist und 3D unauffällig, aber angenehm verwendet, sondern auch noch verdient “familientauglich” genannt zu werden. Sicher, es gab auch andere Filme, siehe Shrek und Toy Story 3, aber da habe ich mich oft genug gefragt, ob sie für Kinder überhaupt noch geeignet sind. Bei diesem Film kann man das mit Fug und Recht behaupten.
Das ist kurzweilige, nette und Popcorn-Kino-gerechte Unterhaltung. Wohldosierte Lacher, sympathische Charaktere, eine gefällige Geschichte, und ein Bösewicht, der eigentlich keiner ist – das alles vermischt sich zu einem witzigen Potpourri brauchbar umgesetzter Ideen.
Der Erfolg spricht für die erst 2007 gegründete Produktionsfirma Illumination Entertainment. Das geringe Alter sollte nicht zum Rückschluß führen, daß hier vielleicht nicht genügend Kompetenz dahintersteht: Der Gründer ist niemand Geringerer als Chris Meledandri, der dreizehn Jahre lang Verantwortung bei 20th Century Fox trug und dort u.a. für Ice Age, Die Simpsons – der Film und Robots die Produktion übernommen hat. Dank seiner Hilfe wurde 20th Century Fox Animation zu einem ernsthaften Gegenspieler für Pixar, Dreamworks und Disney. Nun hat er seine eigene Firma gegründet, die mit Universal Pictures einen exklusiven Kooperationsvertrag hat, und plant auch für die kommenden Jahre Großes.
Besonders an ihrer Arbeit: Sie sucht sich, ganz der global player, in aller Welt die besten Kooperationspartner. Wer im Abspann die vielen französisch wirkenden Namen bemerkt, der sollte sich nicht wundern: Das Animationsstudio Mac Guff mit Sitz in Paris, das schon die Umsetzung der Drachenjäger-Saga auf sich genommen hatte, beweist erneut, daß Zeichentrick auch in Europa gemacht werden kann.
Fast 500 Millionen US-Dollar weltweit sind ein guter Indikator, wie beliebt der Film ist – ein zweiter Teil soll daher bald folgen. Das alles ohne vorherige Serien, berühmte andere Produktionen aus demselben Hause: Der Start ist sicherlich blendend gelungen. Wir können uns also auf weitere spannende Geschichten freuen. Mir hat Ich – Einfach Unverbesserlich blendend gefallen!
Bildnachweis: Universal Pictures, Illumination Entertainment (c).
“INDAC versucht den Aufbau einer deutschen Animations-Community (…)” Ein hehres Anliegen von Johannes Wolters und seinem Team, der seit geraumer Zeit und in regelmäßigen Abständen in Berlin außergewöhnliche Screenings von DISNEY bzw. in diesem Fall PIXAR-Filmen organisiert, bei denen im Anschluß an den Film eine Q&A-Session mit Machern des Films stattfindet (bei der Vorführung von UP! am 9. September 2009 war Macrobee natürlich mit dabei.)
Am 29. Juni 2010, also einem Monat vor Filmstart in Deutschland, war Toy Story 3 an der Reihe. Den Fragen des interessierten Publikums stellten sich Regisseur Lee Unkrich und Darla K. Anderson, ihres Zeichens Produzentin. Zu Unkrich sei gesagt, daß er seit 1994 bei PIXAR dabei ist, zuerst als Cutter, und sich dann über mehrere Stufen bis zum Regisseur hochgearbeitet hat, vor allem beim Toy Story-Franchise. Darla K. Anderson hat einen Eintrag im Guinness Buch der Weltrekorde als Produzentin mit dem höchsten Durchschnittwert, was den Filmerfolg angeht: Ihre Filme brachten im Durchschnitt 221 Millionen Dollar ein. In Findet Nemo wurde sie als Darla verewigt, weil Regisseur und Drehbuchschreiber Andrew Stanton sich über ihre ständigen Scherze aufregte, die sie sich auf seine Kosten erlaubte.
Gutgelauntes Duo auf Reise
Der Erfolg von Toy Story scheint PIXAR recht zu geben. Anderson muß sich keine Sorgen um ihren Guinness Buch-Eintrag machen, denn bereits am 29. Juni 2010 hat der Film über 240 Millionen Dollar in den USA eingespielt (innerhalb von elf Tagen wohlgemerkt, zuzüglich 100 Millionen Dollar weltweit. Quelle: Boxofficemojo.com) Unkrich sieht sich bestätigt im Versuch, der Entwicklung der Geschichte “treu geblieben zu sein” (truthful to the story.)
Doch trotz des Erfolgs gibt es keinerlei Absichten, einen vierten Film folgen zu lassen. Unkrich meint, daß sie “eher Nr. 5 drehen als die 4″, womit er wohl meint, daß sie durchaus vorhaben, Kurzfilme mit Woody und Buzz zu drehen, aber für Unkrich ist die Geschichte zu Ende erzähl: Andy ist nun erwachsent. Die einzige Sache, die ihm mißfällt ist, als Buzz im “Latino-Modus” ist (übrigens wurde nach dem Trickfilmzeichner gefragt; Carlos Baena, ein Spanier seines Zeichens, war für den Rest des Abends bei den Damen sehr beliebt!) und den Müllschacht öffnet, daß er an dieser Stelle keinen Untertitel gesetzt hat wie in den Sekunden zuvor – na, wenn das alles ist?
Beide plaudern aus dem Nähkästchen. Mittlerweile hätte man begonnen, bronzene Buzz Lightyears zu vergeben – bei einer Zugehörigkeit von mindestens zehn Jahren bei PIXAR. Auf die Frage, warum Anderson eine großartige Produzentin sei, antwortet Unkrich, daß man in ihrem Unternehmen Filme nur unter ständiger Angst dreht (“fear-based film making.”) Und daß Hayao Miyazaki bei einem Besuch in Emeryville einen animierten Totoro begutachetete, während alle Mitarbeiter um ihn herumstanden und panisch an den Fingernägeln kauten. Wie es sich für einen Japaner gehört, hat er ihn mit einem einfachen Kopfnicken akzeptiert, und der wundervolle Charakter hat einen Gastauftritt bei Toy Story 3. Wer es nicht: Miyazaki ist der legendäre Chef des Studio Ghibli, dem wir so großartige Filme wie Prinzessin Mononoke, Chihiros Reise ins Zauberland und Das wandelnde Schloß verdanken. Daß alle bei PIXAR in Ehrfurcht erstarrten, ist da kein Wunder: Chihiro ist bis heute der einzige ausländische Zeichentrickfilm, der einen Oscar(c) hatte gewinnen können (was heißt, daß er kein amerikanischer Film war.)
PIXAR Chef John Lasseter ist seit Jahren eng mit Miyazaki befreundet, und sie haben sich gegenseitig inspiriert und geholfen. Natürlich wurden auch mehrere Anekdoten zu ihm erzählt, z.B. daß, wenn der seltene Fall eintritt und eine animierte Szene rausgeschnitten werden muß, er sich zwanzig Minuten Zeit nimmt und mit dem betroffenen Trickzeichner darüber redet – aus Respekt vor seiner Arbeit. Welcher Chef macht sowas schon?
Als sie nach den Ursprüngen zu Toy Story 3 gefragt wurden, erzählten sie, wie der Brain Trust sich zusammensetzte – in einer doch recht bescheidenen Unterkunft im Marin County, und sie zum ersten Mal in der Geschichte von PIXAR keine Idee hatten, was sie eigentlich machen wollten. Da es keinen Fernseher und auch keine Leinwand gab, haben sie sich Toy Story und Toy Story 2 auf einem Laptop angeschaut, eng darum gequetscht und waren deprimiert, weil die Filme so gut sind. Sie haben dort keine Stunde verbracht und erkannt, daß es keinen Sinn hatte. Einen Tag später kehrten sie zurück und hatten soviele Vorschläge, daß sie wußten, daß sie damit etwas anfangen konnten. Um die gesamte Geschichte als Drehbuch zu schreiben, benötigten sie etwa zweieinhalb Jahre.
Auf den Hinweis, daß der dritte Teil erwachsener wirke und sich ernsthafteren Themen widmete (“more mature”), antwortete Unkrich, wie schon erwähnt, mit dem Hinweis, daß er und alle, die an dem Film beteiligt waren, der Geschichte treu bleiben wollten. Es könnte durchaus sein, daß sie nun alle ein wenig älter seien als beim ersten Toy Story und sich daher auch ihre persönliche Sichtweise, ihr Anspruch geändert habe. Das Ziel war aber auf jeden Fall einen guten Film zu machen – und das ist definitiv gelungen!
Weitere Linktipps
Lee Unkrich twittert fleißig, u.a. vom Baby, das im Film eine große Rolle spielt und ihn und Anderson auf der Weltreise begleitet.
Auf der PIXAR-Webseite gibt es einige Hinweise auf den wundervollen stereoskopischen Kurzfilm, der vor dem Hauptfilm läuft (Day & Night.) Wie alle Kurzfilme aus diesem Studio der absolute Knaller.
Ein großes Dankeschön an das INDAC-Team, das seit vielen Jahre die deutsche Animationsszene belebt und zu solch großartigen Screenings einlädt.
Ein Dankeschön natürlich auch an DISNEY, die durch ihre Unterstützung einen solchen Abend überhaupt erst möglich machen.
Und viel Spaß beim Besuch in deinem Kino – die Webseite von Toy Story 3 bietet jetzt schon viel Spiel- und Bastelspaß!
Bildhinweis: Alle Rechte bei DISNEY, PIXAR etc.