Filmkritik. Rob Roy – Historisches Highland-Drama
Freue mich sehr an dieser Stelle bekanntzugeben, daß ich meinen zweiten Artikel bei Suite101.de veröffentlicht habe. Der Titel lautet Filmkritik. Roy Roy – Historisches Highland-Drama.
Clan-Chef Rob Rox MacGregor will die Zukunft seines Clans sichern, wird bestohlen und betrogen, und zieht in den Kampf gegen die Ungerechtigkeit.
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Bildhinweis: Grab Rob Roy MacGregors. Joe / Wikipedia
Filmkritik. Rob Roy – Historisches Highland-Drama
03.02.2011 Marcel Bülles
Schottland im Jahr 1713. Vielen Highlandern geht es so schlecht, daß sie nach Amerika auswandern, doch Rob Roy MacGregor hat anderes im Sinn. Der Clan-Chef borgt sich 1.000 schottische Pfund vom Marquis de Montrose, einem schleimigen Adligen, um Vieh zu kaufen, es aufzupäppeln und schließlich mit großen Gewinn weiterzuverkaufen. Seine Bürgschaft ist sein Land und damit alle Menschen seines Clans, für die er verantwortlich zeichnet.
An dem Plan gibt es nichts auszusetzen, wären da nicht der Hofmeister des Marquis, Killearn, und dessen englische Hofschranze und Fechtmeister Cunningham. Sie überfallen den Mann, der das geborgte Geld nach Graigrostan und zum Clan der MacGregors bringen sollte, töten ihn und teilen das Geld unter sich auf. Montrose, der von dem Komplett zwar weiß, es aber nicht mißbilligt, will nun Rob Roys Land einziehen, weil der seine Schulden nicht bezahlen kann. Ein Krieg folgt, den Montrose so nicht erwartet hat.
Braveheart vs. Rob Roy – ein unfairer Vergleich
1995 erschienen zwei Filme zu schottischen Helden und nur einer von beiden war weltweit erfolgreich. Braveheart spielte über 200 Millionen US-Dollar ein, wurde für zehn Oscars(c) nominiert und gewann fünf (unter ihnen Beste Regie und Bester Film) und durfte sich über weitere zahlreiche Nominierungen und Siege bei den BAFTAs und dem Golden Globe(c) freuen. Rob Roy spielte etwas über 30 Millionen US-Dollar ein und konnte nur deswegen bei den üblichen Filmpreisen punkten, weil der Bösewicht Cunningham so einzigartig vom britischen Schauspieler Tim Roth dargestellt wurde.
Der Erfolg mag diesem Film vielleicht nicht recht gegeben haben, aber Rob Roy muß sich sicherlich nicht hinter seinem “großen Bruder” verstecken. Der von Mel Gibson porträtierte William Wallace wird im eigenen Film vom englischen König (Patrick McGoohan) an die Wand gespielt und das war es auch schon an herausragenden Leistungen; die Zahl fähiger Schauspieler in Rob Roy ist um einiges höher.
Das Ehepaar MacGregor macht generell eine gute Figur (Liam Neeson und Jessica Lange); die Bösewichter werden von John Hurt (Montrose), Brian Cox (Killearn) und Tim Roth (Cunningham) blendend dargestellt. Roth war in seiner Rolle als Fechtmeister Cunningham sogar für den Oscar(c) und den Golden Globe(c) als bester Nebendarsteller nominiert und konnte zumindest den BAFTA mit nach Hause nehmen und das nicht ohne Grund: Er spielt den hinterhältigen, brillianten, englischen Fechtmeister, der sich seinen Lebensunterhalt durch Speichelleckelei bei Montrose verdient, mit Bravour und Verachtung. Verständlich, daß er bei der Chance 1.000 Pfund zu stehlen, zugreift und keinerlei Skrupel hat zum Mörder zu werden.
Doch nicht nur die Schauspieler schneiden besser ab als bei Braveheart. Es ist auch der historische Hintergrund, der wesentlich näher an den wirklichen Ereignissen liegt, als das Braveheart je geschafft hat (die Times wählte Gibsons Werk bei den zehn historisch unkorrektesten filmischen Darstellungen auf Platz zwei.) Da werden schon mal ein paar Jahrzehnte gekleckert, damit sich William Wallace und der Bruce treffen können. Rob Roy hat das nicht nötig. [Wer sich über die historischen Hintergründe der Person Rob Roy MacGregor informieren möchte, kann dies natürlich bei Suite101.de tun.]
Dennoch blieb der Film hinter Gibsons Meisterwerk zurück, und das ist verständlich. Ist Braveheart bombastisch, übermäßig beworben und mit Sophie Marceau auch noch hübsch bebildert worden, bietet Rob Roy vergleichsweise Schlichtes, das der Realität der schottischen Highlands zu Beginn des 18. Jahrhunderts entspricht. Der Film ist mehr eine Hommage an ehrbare Männer, die nur versuchen, den ihren ein wenig Glück und Zufriedenheit zu verschaffen (ein eher langweiliges Thema), als ein Hollywood-Epos, das durch bunte Bilder, laute Musik und donnernde Effekte und Sounds zu verwirren vermag.
Anspruchsvoller, realistischer, besser gespielt – das sind mehr als genügend Gründe sich auch Rob Roy in Ruhe anzuschauen. Die literarische Vorlage hat niemand Geringerer als Sir Walter Scott geschrieben, ohne den es heute das Genre des historischen Romans gar nicht geben würde (zu seinen Werken gehört u.a. Ivanhoe.) Übrigens: Wer Heinrich von Kleists Novelle Michael Kohlhaas gelesen hat, der mag eine Vorstellung davon haben, wie Roy Roy gerade auch als Film funktioniert: Der Kampf des underdogs gegen die Mächtigen, das Aufbegehren gegen himmelschreiende Ungerechtigkeit, ohne Rücksicht auf Verluste. Auch wenn der Film an einzelnen Stellen seine Längen hat, so vermittelt er doch eine packende, traurige Geschichte, die hoffen läßt, daß es doch so etwas wie Gerechtigkeit gibt.





