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Toy Story 3. INDAC Special Screening in Berlin – Q&A mit Regisseur Lee Unkrich & Produzentin Darla K. Anderson

“INDAC versucht den Aufbau einer deutschen Animations-Community (…)” Ein hehres Anliegen von Johannes Wolters und seinem Team, der seit geraumer Zeit und in regelmäßigen Abständen in Berlin außergewöhnliche Screenings von DISNEY bzw. in diesem Fall PIXAR-Filmen organisiert, bei denen im Anschluß an den Film eine Q&A-Session mit Machern des Films stattfindet (bei der Vorführung von UP! am 9. September 2009 war Macrobee natürlich mit dabei.)

Am 29. Juni 2010, also einem Monat vor Filmstart in Deutschland, war Toy Story 3 an der Reihe. Den Fragen des interessierten Publikums stellten sich Regisseur Lee Unkrich und Darla K. Anderson, ihres Zeichens Produzentin. Zu Unkrich sei gesagt, daß er seit 1994 bei PIXAR dabei ist, zuerst als Cutter, und sich dann über mehrere Stufen bis zum Regisseur hochgearbeitet hat, vor allem beim Toy Story-Franchise. Darla K. Anderson hat einen Eintrag im Guinness Buch der Weltrekorde als Produzentin mit dem höchsten Durchschnittwert, was den Filmerfolg angeht: Ihre Filme brachten im Durchschnitt 221 Millionen Dollar ein. In Findet Nemo wurde sie als Darla verewigt, weil Regisseur und Drehbuchschreiber Andrew Stanton sich über ihre ständigen Scherze aufregte, die sie sich auf seine Kosten erlaubte.

Gutgelauntes Duo auf Reise

Der Erfolg von Toy Story scheint PIXAR recht zu geben. Anderson muß sich keine Sorgen um ihren Guinness Buch-Eintrag machen, denn bereits am 29. Juni 2010 hat der Film über 240 Millionen Dollar in den USA eingespielt (innerhalb von elf Tagen wohlgemerkt, zuzüglich 100 Millionen Dollar weltweit. Quelle: Boxofficemojo.com) Unkrich sieht sich bestätigt im Versuch, der Entwicklung der Geschichte “treu geblieben zu sein” (truthful to the story.)

Doch trotz des Erfolgs gibt es keinerlei Absichten, einen vierten Film folgen zu lassen. Unkrich meint, daß sie “eher Nr. 5 drehen als die 4″, womit er wohl meint, daß sie durchaus vorhaben, Kurzfilme mit Woody und Buzz zu drehen, aber für Unkrich ist die Geschichte zu Ende erzähl: Andy ist nun erwachsent. Die einzige Sache, die ihm mißfällt ist, als Buzz im “Latino-Modus” ist (übrigens wurde nach dem Trickfilmzeichner gefragt; Carlos Baena, ein Spanier seines Zeichens, war für den Rest des Abends bei den Damen sehr beliebt!) und den Müllschacht öffnet, daß er an dieser Stelle keinen Untertitel gesetzt hat wie in den Sekunden zuvor – na, wenn das alles ist?

Beide plaudern aus dem Nähkästchen. Mittlerweile hätte man begonnen, bronzene Buzz Lightyears zu vergeben – bei einer Zugehörigkeit von mindestens zehn Jahren bei PIXAR. Auf die Frage, warum Anderson eine großartige Produzentin sei, antwortet Unkrich, daß man in ihrem Unternehmen Filme nur unter ständiger Angst dreht (“fear-based film making.”) Und daß Hayao Miyazaki bei einem Besuch in Emeryville einen animierten Totoro begutachetete, während alle Mitarbeiter um ihn herumstanden und panisch an den Fingernägeln kauten. Wie es sich für einen Japaner gehört, hat er ihn mit einem einfachen Kopfnicken akzeptiert, und der wundervolle Charakter hat einen Gastauftritt bei Toy Story 3. Wer es nicht: Miyazaki ist der legendäre Chef des Studio Ghibli, dem wir so großartige Filme wie Prinzessin Mononoke, Chihiros Reise ins Zauberland und Das wandelnde Schloß verdanken. Daß alle bei PIXAR in Ehrfurcht erstarrten, ist da kein Wunder: Chihiro ist bis heute der einzige ausländische Zeichentrickfilm, der einen Oscar(c) hatte gewinnen können (was heißt, daß er kein amerikanischer Film war.)

PIXAR Chef John Lasseter ist seit Jahren eng mit Miyazaki befreundet, und sie haben sich gegenseitig inspiriert und geholfen. Natürlich wurden auch mehrere Anekdoten zu ihm erzählt, z.B. daß, wenn der seltene Fall eintritt und eine animierte Szene rausgeschnitten werden muß, er sich zwanzig Minuten Zeit nimmt und mit dem betroffenen Trickzeichner darüber redet – aus Respekt vor seiner Arbeit. Welcher Chef macht sowas schon?

Als sie nach den Ursprüngen zu Toy Story 3 gefragt wurden, erzählten sie, wie der Brain Trust sich zusammensetzte – in einer doch recht bescheidenen Unterkunft im Marin County, und sie zum ersten Mal in der Geschichte von PIXAR keine Idee hatten, was sie eigentlich machen wollten. Da es keinen Fernseher und auch keine Leinwand gab, haben sie sich Toy Story und Toy Story 2 auf einem Laptop angeschaut, eng darum gequetscht und waren deprimiert, weil die Filme so gut sind. Sie haben dort keine Stunde verbracht und erkannt, daß es keinen Sinn hatte. Einen Tag später kehrten sie zurück und hatten soviele Vorschläge, daß sie wußten, daß sie damit etwas anfangen konnten. Um die gesamte Geschichte als Drehbuch zu schreiben, benötigten sie etwa zweieinhalb Jahre.

Auf den Hinweis, daß der dritte Teil erwachsener wirke und sich ernsthafteren Themen widmete (“more mature”), antwortete Unkrich, wie schon erwähnt, mit dem Hinweis, daß er und alle, die an dem Film beteiligt waren, der Geschichte treu bleiben wollten. Es könnte durchaus sein, daß sie nun alle ein wenig älter seien als beim ersten Toy Story und sich daher auch ihre persönliche Sichtweise, ihr Anspruch geändert habe. Das Ziel war aber auf jeden Fall einen guten Film zu machen – und das ist definitiv gelungen!

Weitere Linktipps

Lee Unkrich twittert fleißig, u.a. vom Baby, das im Film eine große Rolle spielt und ihn und Anderson auf der Weltreise begleitet.

Auf der PIXAR-Webseite gibt es einige Hinweise auf den wundervollen stereoskopischen Kurzfilm, der vor dem Hauptfilm läuft (Day & Night.) Wie alle Kurzfilme aus diesem Studio der absolute Knaller.

Ein großes Dankeschön an das INDAC-Team, das seit vielen Jahre die deutsche Animationsszene belebt und zu solch großartigen Screenings einlädt.

Ein Dankeschön natürlich auch an DISNEY, die durch ihre Unterstützung einen solchen Abend überhaupt erst möglich machen.

Und viel Spaß beim Besuch in deinem Kino – die Webseite von Toy Story 3 bietet jetzt schon viel Spiel- und Bastelspaß!

Bildhinweis: Alle Rechte bei DISNEY, PIXAR etc.