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Die letzten ihrer Art. Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde – Teil I

die-letzten-ihrer-artDouglas Adams, Mark Carwardine – Die letzten ihrer Art. Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde.

Teil I – Das Fingertier oder Aye-Aye oder Wie alles Begann

Ich lese dieses Buch gerne und habe mir Gedanken gemacht, wie es wohl um die Tiere steht, die Mr. Adams zwischen 1985 und 89 besucht hat. Heute mindestens 10 Jahre später sind einige schon weg, andere kämpfen um ihre Niesche und dritte halten den Status Quo.

Wer es versäumt hat Per Anhalter durch die Galaxis zu lesen hat nicht nur ein Stück Weltliteratur verpasst, er wird auch von der Fraktion Leser mit Unverständnis gestraft, die dieses Buch gelesen haben. Natürlich gibt es auch die Spezies, die das Buch zwar nicht gelesen, aber immerhin die BBC Serie oder den Kinofilm gesehen haben. Diese tun meistens so, als würden sie das Buch kennen.

Nun, die meisten kennen das Buch, sie haben es im Buchladen oder bei Bekannten gesehen und manche haben immerhin davon gehört wenn ihnen ihre Freunde immer und immer wieder dieses Science-Fiktion-Ding ans Herz gelegt haben und das obwohl sie doch genau wissen, dass man sowas gar nicht liest.

Der springende Punkt ist aber, dass Douglas Adams auch etwas anderes geschrieben hat und dieses Buch hat viel mit Science, aber so gar nichts mit Fiction zu tun. Was sehr bedauerlich ist. Nun, wer den Anhalter kennt, weiß um den Witz des Autors, auch diesem Buch wohnt derselbe inne, doch auf eine deutlich tragischere Weise. Auch hier dreht sich alles um die Zerstörung der Welt, doch um wie vieles trauriger, da sich alles in der Realität abspielt.

Alles fing 1985 mit einer Magazinbeilage im Observer an. Wer kennt den nicht? Ich zum Beispiel! Also habe ich mich auf Wikipedia gestürzt und mal nachgesehen, was dieser ominöse Observer so ist.

Wie online Enzyklopädien so sind, haben sie wunderbare Vorschläge, was man denn meinen könnte. Gut, ein Schiedsrichter beim Luftsportwettbewerb würde wohl kaum gemeint sein und die Zeitung in Sri Lanka lies sich durch eine eben solche aus England bei einem bekannten englischen Autor auch ausschließen.

Nun stellte sich heraus, das es den Observer seit 1791 gibt, er die erste Sonntagszeitung überhaupt war, eine hässliche Internetpräsenz hat, 1911 mal von William Waldorf Astor gekauft wurde und somit eine direkte Verbindung zu mir hat. Schließlich war der Ahn W. W. Astors kein anderer als Johan Jacob Astor, der der Zigarettenfabrik den Namen gab, deren Arbeiter ihre Kinder auf die werkseigene Schule schicken durften. Und eben diese war die erste Waldorfschule, an deren Nachkommen ich selbst meinen Unterricht absolviert habe.

Ok, ich gebe es zu, dass ist alles so weit hergeholt, dass es schon verfault ist, bevor man es genau erkennen kann, aber zum Glück geht es ja gar nicht um den Observer, ich kann mich also wieder auf das eigentliche Thema konzentrieren, nachdem das geklärt ist.

Der Observer schickte also Douglas Adams, seines Zeichens unwissender Ahnungsloser, mit Mark Carwardine, seines Zeichens wissender Zoologe, nach Madagaskar. Die Magazinbeilage sollte sich um das Fingertier, auch Aye-Aye genannt, drehen. Da Aye-Aye einfach cooler klingt als Fingertier und ich ständig das Gefühl habe, jedes x-beliebige andere Tier könnte mit Fingertier gemeint sein, werde ich im Folgenden nur noch vom Aye-Aye sprechen.

Das besondere an Madagaskar ist, und gerade das macht sie mir als einzige Insel neben Mauritius wirklich sympathisch: Es gibt keine Affen. Meine Liebe zu pelzigen Tieren ist ja fast unerschöpflich. Manche mag ich mehr, andere weniger, aber im Grunde, wenn es Fell hat ist meiner näheren und ferneren Umgebung ein freudiges Jauchzen gewiss. Aber Affen, Affen sind einfach nicht mein Ding. Ich finde sie abstoßend, ob Schimpanse (die sowieso ganz besonders, die sind doch wie reinste Arschlochkinder in Dauerform), Gorillas, Brüllaffen, Gibbons oder ach egal, einfach alle.

Manchmal treffe ich auf Leute, die mich bekehren wollen, also auch hier: Es gibt Menschen, die sind einfach zu laut, zu roh, zu gewalttätig oder zu obszön. Die sind das so oft, dass man nichts mit ihnen zu tun haben will. Jeder von denen, ist ab und zu mal melancholisch, witzig, still oder einfach nur ruhig, trotz ihrer Fehler. Affen sind immer und ich meine immer wie sie sind. Nämlich Affen. Sie sind also dauerätzend und genau deswegen möchte ich einfach immer nichts mit ihnen zu tun haben. Ich finde in jedem Zoo eine Route ihnen aus zu weichen, ich habe Paviane in Zimbabwe getroffen und es geschafft ihnen aus dem Weg zu gehen (andernfalls sähe es um mich jetzt auch deutlich schlechter aus), ich will und werde mich nicht bekehren lassen.

Die Insel die den Absprung geschafft hat und auf der es statt Affen Lemuren gibt. Tja, ganz ehrlich, Lemuren sehen für einen Laien eigentlich auch aus wie Affen, jedenfalls die größeren Exemplare. Sie haben nur ein anderes Gesicht und meistens einen deutlich überraschteren Gesichtsausdruck. Dies mag einerseits daran liegen, dass sie sich wundern, dass sie überhaupt jemand gefunden hat, andererseits aber auch an dem deutlich abgeklärteren Ausdruck der gewöhnlichen Affen, die uns durch alle Arten von Medien häufiger vors Gesicht kommen als Lemuren.

Madagaskar also, dort steht Mr. Adams nun und will zu den Aye-Aye. Tja, die sind leider schon so selten, dass er Schwierigkeiten haben wir jemanden zu finden, der eins gesehen hat, geschweige denn, dass er selbst eins sieht. Erst einmal muss er sich aber mit der Spezies Mensch herumschlagen. Als Afrikareisender weiß man: Nichts ist, wie es sein sollte, es ist einfach anders.

Kein Hubschrauber, keine Jeeps, keine Straße und das Beste anscheinend auch keine Erlaubnis zur Ausfuhr von Filmmaterial. Gut das sie gekommen sind! Aber und auch das ist eine Afrikareisenderregel, irgendwie klappt es immer. Was es dann genau ist, dass kann man vorher nie genau sagen, aber es wird schon.

Ksukol ocasatý (Daubentonia madagascariensis)

Fotograf: Tom Junek. Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0.

Das Aye-Aye ist ein nachtaktives, wenig ansprechendes Tier. Die Population war 1985 fast nur auf der 529 ha kleinen Insel Nosy Mangabé zu finden, auf die man sie umgesiedelt hatte. Nosy Mangabé liegt in der größten Bucht Madagaskars, in der Baie d’Antongil, direkt unter der Stadt Maroantsetra und gehört zum Nationalparkkomplex von Masoala.

Als das Buch 1990 erschien, hatte Mr. Adams keine größeren Nachforschungen mehr getätigt und das Aye-Aye als besseres Vorwort immerhin aufgenommen. In der Zwischenzeit hat sich doch einiges getan. Anscheinend ist das Aye-Aye nicht sooo gefährdet, wie man bisher angenommen hatte. Entweder es hat sich super gut versteckt, oder anstatt wie üblich nur alle 2-3 Jahre mal ein Junges zu bekommen, haben sie versucht die Weltherrschaft an sich zu reißen. Da es aufgrund des Affenvorkommens in der restlichen Welt nur Madagaskar zu erobern gab, ist die Ausbreitung immerhin über die ganze Insel geglückt. Somit ist das Aye-Aye anstatt wie im Jahr 200 als stark gefährdet nur noch als gering gefährdet, also als (NT) eingestuft.

Diese Einstufungen nimmt die International Union for Conservation of Nature and Natural Resources vor. Die IUCN hat verschiedene Gefährdungsstufen eingeführt um mit einem einfachen Zeichen jeden informieren zu können, wie es um unsere Natur steht. Im folgenden sind das:

  • schlussel-fur-die-einstufungExtinct (ausgestorben)
  • Extinct in the Wild (in freier Wildbahn ausgestorben)
  • Critically Endangered (vom Aussterben bedroht)
  • Endangered (stark gefährdet)
  • Vulnerable (gefährdet)
  • Near Threatened (gering gefährdet)
  • Least Concern (nicht gefährdet)
  • Data Deficient (keine ausreichenden Daten)
  • Not Evaluated (nicht eingestuft)

Auf der Seite http://www.iucnredlist.org kann man sich über die gefährdeten Tiere und ihren aktuellen Status informieren. Leider ist diese Seite nur auf Englisch. Da aber so ziemlich jedes Tier, das ich in den nächsten Episoden betrachten möchte, in eine der anderen Kategorien fällt und es Gründe gibt auch ein (NT) nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, habe ich hier einmal einen Überblick geben wollen, damit man nachvollziehen kann, was diese Zeichen bedeuten.

Unser Aye-Aye hat genau einen bekannten natürlichen Feind, die Fossa. Fossa sind keineswegs die tumben, idiotisch sabbernden Viecher, wie sie in Dreamworks Madagascar dargestellt werden. Dennoch können sie dem rund 90cm langen Aye-Aye schon Probleme bereiten. Mit 2-3 Kilo Gewicht ist es auch wirklich schwer einem fast doppelt so großen und 7-12 Kilo schweren Feind zu entkommen.

Dazu kommt der Wunsch des Aye-Ayes nach Futter und wo fände man das besser als auf den sauber angelegten Plantagen Madagaskars. Wären da nicht die erzürnten Plantagenbesitzer, die das Aye-Aye schlicht als Plage ansehen. Andere Madagassen halten sie hingegen selbst für Futter. Und über den bedrohten Lebensraum durch Abholzung muss ich gar nicht groß schreiben.

Madagaskar nimmt nicht so schnell an Landmasse zu, wie Lebensräume zerstört werden. Die Zukunft der Tiere hängt also vom Augenmerk der Menschen ab und auch wenn das Aye-Aye eher hässlich ist, hat es als einzige Unterart seiner Familie ebenso eine Daseinsberechtigung wie jedes andere Tier.

Damit sind wir am Ende des ersten Kapitels und vielleicht findet ihr Aye-Ayes auch nicht so spannend wie ich. Ich hätte lieber über die Fossa geschrieben, aber die wird von Mr. Adams nicht mal erwähnt. Dafür widmet er sich im zweiten Kapitel den Komodowaranen, den Drachen unserer Zeit. Im zweiten Teil machen wir uns also auf nach Indonesien und ergründen die Geheimnisse um Mundgeruch und misstrauische Hühner.

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